Harry Styles

Retropop für die Zukunft

Ein Popstar auf Wolke sieben: Fast alle Experten sind sich einig, dass Harry Styles trotz seiner schon großen Erfolge eine noch größere Zukunft bevorsteht.
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Ein Popstar auf Wolke sieben: Fast alle Experten sind sich einig, dass Harry Styles trotz seiner schon großen Erfolge eine noch größere Zukunft bevorsteht.

Auf seinem zweiten Soloalbum „Fine Line“ besticht One-Direction-Sänger Harry Styles erneut mit Songs voller Demut und Dringlichkeit.

Harry Styles ist gerade einmal 25 Jahre alt und hat doch schon eine komplette Popstar-Karriere durchgespielt: Den Stein ins Rollen brachte 2010 die Teilnahme an der britischen Ausgabe von „The X Factor“ und die damit einhergegangene Gründung der Band One Direction. Was dann folgte: 50 Millionen verkaufte Platten, unzählige Plattenverkaufsrekorde und mehrere Welttourneen. 2015 folgte dann die Stillegung der Band - und der Schritt in eine Solokarriere. Viele Musiker hätten an Styles' Stelle womöglich das alte Erfolgsrezept weitergesponnen und weiter Pop für Teeniemädchen geschrieben. Doch nicht Harry Styles.

Dessen erste Solo-Veröffentlichung war keine steviasüße Single fürs Formatradio, sondern die ausufernde Indiepop-Ballade „Sign Of The Times“, auf der Styles so versiert mit tonnenschweren Emotionen wie Trauer und Hoffnung jongliert, als seien es mit Helium und Herzblut gefüllte Ballons. „Rolling Stone“ kürte das Stück 2017 vollkommen zu Recht zum besten Song des Jahres. Die Erwartungen an sein erstes Soloalbum („Harry Styles“) waren entsprechend hoch, doch Styles konnte sie alle erfüllen, indem er eben gerade nicht das tat, was man erwartete, sondern lediglich das, was er fühlte. Diesem Ansatz folgt er auch auf seinem neuen Album „Fine Line“.

Gegen alle Erwartungen

Keine Spur von Boyband-Approach oder billigem Bubblegum-Pop, stattdessen nimmt Styles seine Hörer mit auf eine Reise durch seine musikalische Sozialisation. Jedes Stück, jeder Vibe eines Songs, jede künstlerische Idee unterscheidet sich von der nächsten und führt in eine vollkommen andere Soundszenerie - und doch lassen sich die inspiratorischen Ziehväter ausmachen, deren musikalische Vermächtnisse auf „Fine Line“ mit beeindruckender Leichtigkeit ins Jetzt transferiert werden.

Die Fluffigkeit in „Canyon Moon“ hat Styles eindeutig von Crosby, Stills & Nash und deren „Suite: Judy Blue Eyes“ von 1969 abgeschaut; die epische Ballade „She“ hätte sich in ähnlicher Form genauso richtig auf einem McCartney- oder Wings-Album angefühlt. Neben dem fulminanten Songwriting ist es dabei vor allem Harry Styles' ungezwungen leichte Art, die „Fine Line“ so erstrahlen lässt. Der 25-Jährige scheut sich weder davor, sich kreativ auszuprobieren, noch davor, sich in brustöffnender Demut vor seinen musikalischen Idolen zu verbeugen und deren Ideen weiterzudenken. So hat Harry Styles sich mit „Fine Line“ wieder gegen alle Erwartungen gestellt - und sie trotzdem wieder mehr als erfüllt.

teleschau

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