Sparta

Reine Routine

Jim Ward schrieb einst mit At The Drive-In Musikgeschichte. Auf dem neuen Album seiner Nachfolge-Band Sparta erinnert daran leider nur noch wenig.
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Jim Ward schrieb einst mit At The Drive-In Musikgeschichte. Auf dem neuen Album seiner Nachfolge-Band Sparta erinnert daran leider nur noch wenig.

Jim Ward und seine Band Sparta gehören zum Erbe der legendären Post-Hardcore-Gruppe At the Drive-In. Erstmals seit 1 4 Jahren veröffentlichen sie nun ein neues Album.

Als At the Drive-In sich 2001 für eine Weile auflösten, zerfiel die Band in die beiden Gruppen The Mars Volta und Sparta. In den Folgejahren hat sich das Besetzungskarussell für alle drei Formationen immer wieder munter gedreht. Musiker haben die Seiten gewechselt, wurden entlassen und wiedereingestellt, und die Fans durften fleißig darüber spekulieren, wer sich denn eigentlich noch leiden kann und wer nicht. At The Drive-In kamen irgendwann zurück, The Mars Volta sind inzwischen wieder Geschichte. Nun hat ATDI-Gründungsmitglied Jim Ward eine Band im Studio versammelt, um zum ersten Mal seit 14 Jahren ein neues Sparta-Album zu veröffentlichen: „Trust The River“.

Im Gegensatz zu den sehr experimentierfreudigen The Mars Volta (mit Cedric Bixler-Zavala und Omar Rodriguez-Lopez) entwickelten Sparta seinerzeit eine MTV-freundliche Version des At the Drive-Sounds. Jim Ward konnte damit den Schatten seiner ersten Band nie so richtig abschütteln. Als er nun auf „Believe“, der ersten neuen Single, klang wie eine schwachbrüstigere Version von Bruce Springsteen, ahnte man schon, dass sich das mit „Trust The River“ nicht ändern würde. Die Americana-Musik, mit der Ward mutmaßlich aufgewachsen ist und der er schon sein Nebenprojekt Sleepercar widmete, wechselt sich auf dem neuen Album mit Riff-betonten Zweiminütern ab, die wohl die Fans von früher zufriedenstellen sollen, aber dafür eigentlich zu glatt produziert sind.

So folgt auf die generische Rocknummer „Graveyard Luck“ recht zusammenhangslos die Ballade „Dead End Signs“, die aus vier Klavierakkorden besteht und sich nirgendwohin entwickelt. Dass die Songs sich nirgendwohin entwickeln, ist die größte Schwäche dieses Albums. Die Songs klingen, als hätten routinierte Rockmusiker ein paar Riffs aus dem Ärmel geschüttelt, ein paar Drum-Fills dazwischen getrommelt und ein paar schön klingende Wörter wie „Cloud“ und „Cigarette“ dazu auf eine Serviette gekritzelt. Es sind Aneinanderreihungen von Versen und Refrains, bei denen der Funke nie richtig überspringt. Ward findet dazu eingängige Gesangsmelodien, ist aber auch kein sonderlich charismatischer Sänger. Lediglich auf dem Abschlusssong „No One Can Be Nowhere“ geht der 43-Jährige aus sich heraus und erinnert daran, dass er früher einmal geschrien hat und nicht nur geträllert. Es ist das einzige echte Highlight auf dieser ziemlich altersmüden Veröffentlichung.

teleschau

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