Louise Patricia Crane

Die Progressivität des Traumes

Kate Bush wird von Louise Patricia Crane als „ewige Königin und Inspiration“ bezeichnet - das passt!
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Kate Bush wird von Louise Patricia Crane als „ewige Königin und Inspiration“ bezeichnet - das passt!

(Nicht ganz) aus dem Blauen heraus: Auf dem Debütalbum „Deep Blue“ von Louise Patricia Crane finden sich hoch dotierte Gäste und unterschiedlichste musikalische Einflüsse.

King Crimson? Jethro Tull? Musik für männliche, ältere, intellektuelle Rock-Hörer! Doch dann und wann schickt sich ein Nachwuchstalent an, die progressiven Töne von einst in die Gegenwart zu transportieren. Louise Patrica Crane ist das jüngste Beispiel. Die Nordirin sammelte Erfahrung bei The Eden House, einem Kollektivprojekt von Stephen Carey. In ihm fand sie den musikalischen Weggefährten, mit dem sie ihr Debüt „Deep Blue“ verwirklichen konnte. Ein Album, das vieles ist. Nur eines nicht: alltäglich.

Alleine die Liste der beteiligten Musiker lässt Freunde der progressiveren Klänge mit der Zunge schnalzen: Die eingangs erwähnten Bands sind dabei tatsächlich vertreten, und zwar in Form des King-Crimson-Musikers Jakko Jakszyk und Ian Anderson (Jethro Tull). Wobei Jakszyk (Gitarre, Backgroundgesang) auf fast dem gesamten Album mit von der Partie ist, während Anderson zu „Snake Oil“ beschwörende Flötenklänge beisteuert und auch das bereits veröffentlichte „Ophelia“ mit dem für ihn charakteristischen Instrument zu veredeln weiß. Bassist Scott Reeder (Kyuss), Violinistin Shir-Ran Yinon (New Model Army, Eluveitie) und der Kontrabassist Danny Thompson finden sich ebenso auf der Liste der beteiligten Künstler. Und selbst das Artwork entstand unter prominenter Mitwirkung von Jim Fitzpatrick, bekannt für sein Che-Guevera-Porträt sowie diverse Thin-Lizzy-Cover.

Musik, die vermisst wurde

Erstaunlich, dass bei all den beteiligten Schwergewichten „Deep Blue“ dennoch ein kohärentes Erstlingswerk geworden ist, getragen von Cranes Stimme, welche sich ebenso ätherisch schwingend wie frei wehend über dem instrumentalen Boden bewegt. Sie ist der rote - oder besser gesagt blaue - Faden, der die sich aus verschiedenen Quellen speisenden Nummern zusammenhält. „Der Eskapismus, die Verführung, das Träumen“ - so lauten die übergreifenden Themen. Unter diesem Dach fühlt sich das von einem Klavier getragene, entrückte Titelstück ebenso wohl wie die poppig-schwebende Single „Deity“ oder das zwischen sphärischen Decken und folkigen Einsprengseln oszillierende „Painted World“.

Es verwundert kaum, dass Kate Bush von Louise Patricia Crane als „ewige Königin und Inspiration“ bezeichnet wird. Poppig, progressiv, bisweilen artifiziell oder psychedelisch, die Attribute stimmen häufig überein. Crane inszeniert sich selbst, kokettiert mit dem Mystischen, dem Erotischen, dem Parallel-Weltlichen. Davon zu sprechen, dass ein Album wie „Deep Blue“ etwas noch nie Dagewesenes darstellt, wäre sicherlich übertrieben. Es stellt etwas lange nicht mehr Dagewesenes dar. Und mit den vorliegenden acht Nummern, unter denen sich kein einziger Schwachpunkt befindet, wird manch einem klar werden, wie sehr er diese Art Musik vermisst hat.

teleschau

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