Prinz Pi: Im Westen nix Neues

Warten auf Neues

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Prinz Pi ist Rapper und Labelboss bei Keine Liebe Records.

Nach der letzten Platte "pp=m²", die Friedrich Kautz 2015 als sein Alter Ego Prinz Porno veröffentlichte, kehrt er nun als Prinz Pi zurück und präsentiert "Im Westen nix Neues".

Menschen lieben es, andere Menschen in Schubladen zu stecken. Deshalb gibt es viele Schlagworte, mit denen man den Berliner Rapper Prinz Pi gern assoziiert. Die Bezeichnung Hipster-Rapper ist nur eines der schier endlosen Beispiele, die man nun nennen könnte. Ein weiteres, nicht so negativ behaftetes Exempel, ist der Begriff des modernen Gesellschaftskritikers. Denn auch das ist der Berliner mit der hippen Frisur. Seine Vorliebe für ständige Kritik an unserem modernen Zusammenleben, besonders, was Thematiken wie Liebe und Zwischenmenschlichkeit anbelangt, ist hinlänglich bekannt. So dürfte es niemanden groß überraschen, dass auch auf "Im Westen nix Neues" ordentlich gemeckert wird - immerhin jedoch auf hohem Niveau.

Wenn man es so sehen möchte, knüpft die Platte genau dort an, wo der Pi-Vorgänger "Kompass ohne Norden" (2013) sein Ende fand. So trägt der Opener auch wohl nicht rein zufällig den Titel "Kompass Reprise". Nun stellt sich die Frage, ob es sich hierbei um reines Kalkül mit Hinblick auf die Zielgruppe handelt, oder ob Prinz Pis und unser aller Schulzeit tatsächlich so viel Stoff liefert, um noch heute davon berichten zu können.

Trotz den immer wiederkehrenden Zeitreisen zurück ins Abiturienten-Alter möchte man hier doch von klassischem Coming-of-Age-Rap sprechen. Die lyrische Umsetzung lässt wenig Platz für Kritik. Die musikalische Untermalung geht auf das Konto von Pis Stammproduzenten Biztram, der durch die Bank breitgefächerten, fast schon orchestralen Sound liefert, der nur darauf wartet, große Hallen zu beschallen. Hier schneidet die Platte übrigens positiv in Konkurrenz zu ihrem Vorgänger ab, dessen Sound gern noch einen Hauch energetischer hätte ausfallen dürfen.

Separat betrachtet lassen auch die zentralen Themen von "Im Westen nix Neues" keinerlei Wünsche offen. Es wird gegen die Bequemlichkeit der Tradition gekämpft, Regeln und Normen in Frage gestellt und zum Umdenken animiert. Sujets, die Prinz Pi auf den Leib geschneidert scheinen. Allerdings spielten auch diese  Aspekte schon früher eine Rolle, was so langsam den Drang nach frischem Wind verspüren lässt.

Gesellschaftskritik ist wiederum auch nicht der einzige Themenkreis, den das Album zu bieten hat. Mit Stücken wie "Ballade für Jojo" oder "Familienalbum Seite 19" erhascht man einen kurzen, aber intensiven Blick hinter die Fassade Prinz Pi und kann die Privatperson Friedrich Kautz erahnen. Ähnlich wie "Ballade für Jojo" liefert er mit Hilfe des Sängers und einzigen Featuregasts Philipp Dittberner mit "1,40m" eine radiotaugliche und gleichzeitig beinahe zum Kitsch tendierende Ballade, die zumindest diverse Frauenherzen höher schlagen lassen wird.

Prinz Pi schafft es, mit "Im Westen Nix Neues" eine durchaus interessante und vernünftige Platte abzuliefern, die Gesellschaftskritik in Reinform und den künstlerischen Aspekt einer Rap-Platte im Jahr 2016 vereint. Dennoch bleibt der Wunsch bestehen, endlich den Schritt zu wagen, die altbekannten Gefilde zu verlassen und noch unbekannte Wege zu erschließen - dann gäbe es auch im Westen endlich mal was Neues.

Bewertung überzeugend
CD-Titel Im Westen nix Neues
Bandname/Interpret Prinz Pi
Genre Rap
Erhältlich ab 05.02.2016
Label Keine Liebe Records
Vertrieb Groove Attack

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