Lisa Bassenge

Pop-Mütter von Joni Mitchell bis Billie Eilish

Wieder mal ein sehr feines, überhaus intim und lyrisch klingendes Cover-Albun der Berliner Jazz-Sängerin Lisa Bassenge: „Mothers“.
+
Wieder mal ein sehr feines, überhaus intim und lyrisch klingendes Cover-Albun der Berliner Jazz-Sängerin Lisa Bassenge: „Mothers“.

Tolles Konzept, sensibel umgesetzt - von der Folk-Oma, die ihren Song Anfang des 20. Jahrhunderts dichtete, bis hin zu Pop-Phänomen wie Billie Eilish: Lisa Bassenge singt auf „Mothers“ zwölf Stücke weiblicher Autorinnen, mit denen sich diese selbst verwirklicht haben.

Die Berliner Sängerin Lisa Bassenge besitzt eine schöne, ja fast mädchenhafte Jazz-Stimme. Mit ihr nimmt sie - unter anderem - erstaunlich intim klingende Cover-Alben auf, die starken Ideen folgen. Auf „Borrowed And Blue“, ihrem letzten Werk von 2018, waren es persönliche Songs, die die Liebesgeschichte zwischen Bassenge und ihrem Mann begleiteten. Mit ihm spielt sie zwar schon seit Jahrzehnten in Bands zusammen, „privat“ fand man aber erst spät zusammen. Bassenges neues Album enthält zwölf Lieder von Songwriterinnen, mit denen sich diese Frauen - zumindest ein Stück weit - frei gemacht haben. Das älteste Stück auf „Mothers“, „Freight Train“, entstand zwischen 1906 und 1912 und stammt von der amerikanischen Folk- und Blues-Musikerin Elizabeth Cotten, die ihr Leben lang als Nanny arbeitete und erst im Alter von weit über 60 Jahren einem breiteren Publikum bekannt wurde.

Die jüngste „Mother“ - es geht hier nicht um Mütter von Kindern, sondern um „Mothers of Invention“, also um weibliche Kreative - ist keine Geringere als Pop-Wunderkind Billie Eilish, deren Düster-Swing „All The Good Girls Go To Hell“ Bassenge ebenfalls mit ihrem Trio covert. Auf allen wunderbar luftig eingespielten Stücken - das gesamte Album wurde binnen zweier Tage aufgenommen - sind neben Bassenges Gesang nur der Flügel ihres schwedischen Pianisten Jacob Karlzon und der Bass von Andreas Lang, dem dänischen Ehemann, zu hören. Dabei sind neben Folk-Oma Cotton und Billie Eilish Teil des Programms: Joni Mitchell (gleich zweimal vertreten mit „Woodstock“ und „Song To A Seagull“), Carol King („Home Again“), Suzanne Vega („Thin Man“), Lady Gaga („Joanne“), Robyn („Dancing On My Own“) oder auch Annie Lennox („Why“).

Sechs Kinder, Arbeit und dann Country-Ikone

Ein besonders anschauliches Beispiel für den Geist der Songs ist das Stück „Don't Come Home A-Drinkin'“, das Country-Ikone Loretta Lynn 1967 schrieb. Dazu klärt Lisa Bassenge auf: „Loretta Lynn ist eine Frau, die aus extrem armen Verhältnissen kam, sich mit einem Mann verheiratet hat und mit 16 ihr erstes Kind bekam. Insgesamt hatte sie sechs Kinder. Der Mann war ein totaler Säufer und Herumtreiber, er war zu gar nichts gut. Und sie? Hat trotz der Kinder noch gearbeitet und dazu all diese Lieder geschrieben. Später stieg sie zur Riege der Country-Music-Ikonen auf.“ Noch Fragen? Mittvierzigerin Lisa Bassenge, übrigens selbst Mutter dreier Töchter im Alter von 16, 13 und 2 Jahren, setzt all diesen Kreativ-Frauen mit „Mothers“ ein Denkmal, ohne dass das Politische dieses Statements in irgendeiner Weise die Schönheit der Arrangements und Interpretationen stören würde.

Dass Frauen als Songwriterinnen und Produzentinnen immer noch benachteiligt werden, dafür gibt es laut Lisa Bassenge klare Hinweise: „Dass Musik - und Popmusik sowieso - immer noch eine sehr männliche Domäne ist, konnte man bei zahlreichen Verleihungen von Musikpreisen oder auch der letzten GEMA-Musikautoren-Verleihung sehen. Da fanden sich fast nur Männer auf der Liste der Preisträger.“ Also: Nicht nur im Film, zum Beispiel bei den Oscars, wird mit Fug und Recht mehr Diversität eingefordert, sondern auch im Musikbusiness. Dass Lieder von Frauen in keiner Weise zurückstehen, dafür sind die wunderschön interpretierten Zweite-Reihe-Hit-Klassiker dieses Albums ein starker Beleg.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare