Zaghafter Gruß aus dem Herrenzimmer

Plattenkritik zum Album von Goldmeister „Alles Gold“

Goldmeister - Alles Gold

Ein Partygag, mehr nicht: Goldmeister enttäuschen mit ihrer Covermethode.

Goldener Grundsatz des Journalismus: keine Witze über Namen! Sämtliche Jägermeister-Anspielungen sind also strengstens zu unterdrücken. Dabei gibt doch selbst die Plattenfirma zu, dass Goldmeister mit einer Schnapsidee aus der Taufe gehoben wurden. Laut Gründungsmythos beschlossen Phil Ohleyer und Chris Dunker in einem „Herrenzimmer“ (also ein Jugendzimmer für Erwachsene mit Ledersofa statt Sitzsack, Whisky-Vitrine statt Coladosen und Zigaretten statt, naja, heimlichen Zigaretten), künftig irgendwas mit Retro zu machen. Nachdem Country ja schon von The BossHoss, Bossa Nova von Nouvelle Vague und Rock'n'Roll von The Baseballs als unterschiedlich erfolgreiche Verwurstungsmaschinen genutzt werden, blieben sie beim Oldtime Jazz hängen. Durchgejagt wurde diesmal deutscher HipHop der 90er- und Nullerjahre. Dass das mehr sein kann als ein ulkiger Partygag, soll nun Goldmeisters Debütalbum „Alles Gold“ beweisen. Soll.

Den Beweis bleibt das Duo allerdings schuldig. Dabei klingt auf dem Papier ja erst einmal alles hochinteressant. Schließlich kann man musikhistorisch den HipHop auch auf den Jazz zurückführen und findet Parallelen zwischen Scatten und Beatboxing oder zwischen Cutting Contests und Battle Rap. Zusammen mit der zeitlichen Distanz von knapp 100 Jahren tut sich da eigentlich eine gigantische Spielwiese auf, die man musikalisch erschließen könnte. Eigentlich. Könnte.

Stattdessen klammern Goldmeister sich geradezu verzweifelt an ihre Vorlagen, die übrigens alle Goldstatus in den deutschen Charts erreicht haben (daher auch der Titel „Alles Gold“). Schon die erste Single, „Sie ist weg“, ist eine mutlose 1:1-Übertragung des Fanta-Vier-Titels; selbst das „Ach, jetzt weinst du, das tut mir aber leid“-Sample haben sie noch einmal einsprechen lassen.

Diesem Muster folgen sie auch bei den weiteren Titeln. Text und Melodie werden Ton für Ton und Wort für Wort in die immer gleiche Schablone gegossen: Percussion, die man im Frühstücksfernsehen „fetzig“ nennen dürfte, dazu gut gelaunte Jazztrompeten und ein gelegentliches Klimperklavier. Immerhin, die Wirkung ist bei jedem Titel eine andere: Mal bleibt das Umstyling folgenlos („Hamma!“ ist bei Culcha Candela ebenso platte Partymucke wie bei Goldmeister), ein anderes mal wirkt es befremdlich: Das Pathos aus „Nicht von dieser Welt“ (Xavier Naidoo) muss man ja nun wirklich nicht lieben, aber Sonntagsbrunchmusik zu einem solch verschwurbelten Text ist halt auch nicht viel besser.

In den schlimmsten Fällen wird es ärgerlich, etwa wenn Goldmeister gleichermaßen schmierig wie ignorant gut gelaunt über „Mit Dir“ (Freundeskreis) hinwegtrampeln. Für den Partygag zum Kneipentanzabend reicht die Kombination immerhin. Mit ein wenig mehr Wagemut hätte aber richtige Musik draus werden können.

teleschau

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