Zu Tom Waits' 70. Geburtstag

Wie Phönix aus dem Aschenbecher

Was Tom Waits wohl zu der Kimpilation „Come On Up To The House“ sagt, auf der seine Songs von diversen Musikerinnen neu eingesungen wurden?
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Was Tom Waits wohl zu der Kimpilation „Come On Up To The House“ sagt, auf der seine Songs von diversen Musikerinnen neu eingesungen wurden?

Anlässlich des 70. Geburtstags von Tom Waits (7. Dezember) gibt es eine neue Kompilation seiner Songs - eingesungen von prominenten Musikerinnen. Auf „Come On Up To The House“ gratulieren unter anderem Phoebe Bridgers, Corinne Bailey Rae und Rosanne Cash dem Mann mit der Raffelstimme.

Am 7. Dezember wurde Thomas Alan Waits, besser bekannt als Tom Waits, 70 Jahre alt. Zu seinem runden Geburtstag bekommt der US-Musiker ein sehr persönliches Geschenk von einigen Musikerkolleginnen: Mit dem Album „Come On Up To The House: Women Sing Waits“ huldigen diverse Künstlerinnen, darunter Aimee Mann, Patty Griffin und Phoebe Bridgers, dem Werk des unverwechselbaren Geschichtenerzählers aus Pomona, Kalifornien. Diese Geschichten lallte, würgte und röchelte Waits seinen Hörern oft so entgegen, als säßen sie zwischen Zigarettenqualm und Whiskyfahne nachts an der Kaschemmen-Theke direkt neben ihm. Und trotzdem passen die Texte zu seinen Gedanken nicht auf einen Bierdeckel - es war ein sehr erlebnisreiches Dasein bisher, der Mann hatte viele Leben. Seine Diskografie umfasst unzählige Stilvariationen, Genreüberblendungen und Künstlerverwandlungen.

Mit der Sammlung „Come On Up To The House“, die der Künstler, Autor, Komponist und lebenslange Waits-Fan Warren Zanes produzierte, ehrt man nun diese beispiellose künstlerische Leistung. Eine Herkulesaufgabe: Die Fallhöhe bei der artgerechten Interpretation seiner Stimme ist schwindelerregend. Klar, Waits' Gesang polarisiert: Für die einen ist er wunderschön, für die anderen unerträglich - auf jeden Fall ist er einzigartig. Deshalb greift Warren Zanes zu einem beliebten und oft verwendeten Taschentrick: Er lässt Musikerinnen die Titel eines Mannes singen und verschiebt so den Fokus auf die Songs und ihre Arrangements. „Sich auf die schiere Schönheit der Songs zu konzentrieren“, lautete nämlich Zanes' Auftrag. Dabei gilt es vor allem, den richtigen Zugang zu Waits' Stücken zu finden. Das gelingt auf „Come On Up To The House“ leider nur teilweise.

Sehr schmaler Grat zwischen Authentizität und Kitsch

Das Schwesterntrio Joseph aus Portland eröffnet das Album mit dem Titeltrack als Piano-Ballade, die sich durch emotionalen Satzgesang und gefühlvolle Instrumentierung hörbar vom Original unterscheidet, die Kernaussage aber behält. „Come down off the cross, we can use the wood“ - Waits wiederum benutzte die Melodie des Spirituals „Swing Low Sweet Chariot“ als Vorlage für sein „Come On Up To The House“ von der Farmer-Platte „Mule Variations“ (1999), aus der gleich fünf der zwölf Titel entliehen sind. So auch die Stücke „Hold On“ (Aimee Mann) und „Georgia Lee“ (Phoebe Bridgers), die allerdings nicht viel Neues über die Songs erzählen können, obwohl sie solide gespielt sind.

Ähnlich angelegt wie die ursprüngliche Version und dennoch gelungen ist „Ol' 55“ aus Waits' Debüt „Closing Time“ (1973), Der Titel wird authentisch und ausdrucksstark im Duett von Shelby Lynne und Allison Moorer vorgetragen. Ein echtes Highlight ist „Take It With Me“ von der australischen Newcomerin Angie McMahon, die die Essenz des Songs erfasst und ihn mit Persönlichkeit und Atmosphäre zu ihrem eigenen macht. „Jersey Girl“ von Corinne Bailey Rae und „Ruby's Arms“ von Patty Griffin dagegen geraten zu kitschig, „House Where Nobody Lives“ von Iris Dement zu enervierend, „Time“ von Rosanne Cash zu emotional. Der Schlüssel zur schieren Schönheit dieser Songs liegt eben doch oft in Tom Waits' Stimme, die mit dem restlichen Kitsch bricht und seine Lieder so zu zeitlosen Schmuckstücken macht - wie Phönix aus dem Aschenbecher.

teleschau

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