Darf's noch ein wenig Blues sein?

Marcus Füreder alias Parov Stelar: „The Burning Spider“

Parov Stelar - The Burning Spider

Electroswing-Pionier Parov Stelar macht nun in Blues-Samples. Das hat man schon mal besser gehört.

Hinter dem recht sperrigen Künstlernamen Parov Stelar verbirgt sich der Linzer DJ und Musikproduzent Marcus Füreder. Der 42-Jährige gilt derzeit als erfolgreichster Vertreter des populären DJ-Wesens Österreichs, eine Art Alpen-David-Guetta also. Bekannt wurde Füreder durch seine Vorliebe für Electroswing, eine Mischung aus Dance und Swing, die der Plattenleger in den Nullerjahren mit popularisierte. Auf seinem neuen Werk „The Burning Spider“ schwört Parov Stelar dem Swing zwar nicht völlig ab, hebt aber ein anderes Genre aufs Schild. Dank der Kraft Lightnin Hopkins' und Muddy Waters' tanzt man im Club demnächst wieder zu Blues-Samples.

Da ist sie mal wieder - die Kraft des Blues im Gewand moderner Tanzmusik. Jenes Power Couple aus digitaler Finesse mit ihren modernen Beats und Soundflächen sowie uralter analoger Stimmkraft, der man die sonnenverbrannten Ufer des Mississippi anhört. Vorreiter des Prinzips war Mobys Album „Play“ von 1999. Der amerikanische Eletronik-Nerd verkaufte auf seinem Album-Meilenstein flirrend schöne Dance-Tracks mithilfe alter Blues-Samples.

Auf vier bis fünf Titeln seines neuen Albums setzt nun auch Parov Stelar auf die Kraft der alten Blues-Granden. Der House-swingende Titeltrack „The Burning Spider“ fängt Stimme und Mundharmonika von Lightnin Hopkins ein, ebenso rhythmisch das etwas schwerere „My Man“. Muddy Waters dient dem DJ im Stück „Soul Fever Blues“, wobei die legendäre Eindringlichkeit des Sängers von House-Piano-Stangenware und ebensolchen Soulstimmen ausgebremst wird. Es ist zu konstatieren, dass der Umgang mit Blues-Samples Parov Stelar etwas vordergründig und flach geraten ist.

Doch das ist nicht das Einzige, was die Funktonalität dieses Albums ganz erheblich schmälert: Stilistisch bleibt Klangschuster Füreder leider nicht bei den vorbestellten Leisten. Zu den genannten Bluesstücken gesellen sich über die zwölf Tracks des 41 Minuten langen Albums auch Stücke, die rein gar nichts mit dem zu Anfang ausgerufenen Gefühl zu tun haben. „Step To FT“, gesungen von Füreders Frau und kreativer Partnerin Lilja Bloom, ist ein klassischer, netter House-Track, der an die frühe Madonna („Holiday“) erinnert. Weitere, durchaus griffige Produktionen wie „Mama Talkin“ mit Sänger Stuff Smith, „Black Coffee“ oder „Cuba Libre“ sind dagegen wieder klassische Electroswing-Stücke.

Auf diesem Gebiet agiert Füreder tatsächlich kreativer und in Sachen Tanzboden moderner als beim versuchten Ausflug in den Blues. Die Heterogenität von „The Burning Spider“ ist keine Werbung für das Format Album. Ging es da nicht mal drum, über längere Zeit mittels Musik eine Stimmung zu erzeugen, gar eine Geschichte zu erzählen? Marcus Füreder ist eigentlich alt genug, um sich noch an diese prähistorische Form des Musikkonsums erinnern zu können.

tsch

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare