Xavier Naidoo

Ordentlich zurechtgestutzt

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Für den Song „Marionetten“ mussten Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims viel Kitik einstecken. Nun veröffentlicht der 47-Jährige mit „Hin und weg“ ein neues Solo-Album.

Xavier Naidoo verzichtet auf seinem neuen Album „Hin und weg“ auf politische Statements und zeigt sich lieber ganz als Gefühlsmensch.

Angenehm war es sicher nicht. Nach der Veröffentlichung des Songs „Marionetten“ (2017) mit seiner Band Söhne Mannheims wurde Xavier Naidoo ordentlich zurechtgestutzt: Kritiker brandmarkten ihn als Verschwörungstheoretiker, und selbst Sympathisanten fiel wenig ein, um ihren Helden zu verteidigen. „Eure Parlamente erinnern mich stark an Puppentheaterkästen“, heißt es in dem Song beispielsweise, und: „Teile eures Volks nennt man schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter.“ Die Band wurde letztlich sogar zum Krisengespräch mit dem Oberbürgermeister der Stadt Mannheim zitiert. Nur verständlich also, dass Xavier Naidoo auf seinem neuen Solo-Album „Hin und weg“ gänzlich auf politische Statements verzichtet und sich lieber dem Zwischenmenschlichen widmet.

Trotzdem fragt man sich nach dem Opener einen Moment lang, ob es wirklich gar so harmlos werden muss. „Alle meine Sinne“ ist eine Midtempo-Heartbreak-Nummer, glatt poliert, aber weitgehend blutleer. Und bald stellt sich beim Hören von „Hin und weg“ die Erkenntnis ein: Viel mehr ist da diesmal nicht, auch wenn zwischendurch mal sanfte Background-Chöre den Sound zwischen Klopfbeat und Elektro-Gerümpel ergänzen dürfen. Freundlich formuliert: Das von den Jugglerz (Bausa, Lena) produzierte Ergebnis ist ein Album, das ganz wie aus einem Guss klingt. Weniger freundlich: Es fehlen Ecken und Kanten, und kaum ein Ton bricht aus dem trendigen Midtempo-Rahmen aus.

Unbeholfen und zaghaft

Auch thematisch gibt es wenig Variation - der schmale Raum zwischen Wehmut und Herzschmerz muss genügen. Selbst im Gesang agiert Naidoo eigenartig zurückgenommen; so richtig Auslauf gibt er seiner Stimme, die doch sein größtes Kapital ist, nicht einmal in der wohltuend altmodischen Ballade „Mein Glück ist besiegelt“. Die neue Zurückhaltung schlägt sich - nach der Aufregung um die vielkritisierten Zeilen von „Marionetten“ durchaus nachvollziehbar - auch in den Lyrics nieder: Naidoos Texte waren schon immer ein wenig verkitscht, sehr oft verschwurbelt und ab und an auch vollends verwirrend. Jetzt serviert der Soul-Sänger meist Poesiealbenhack und ein paar falsche Versprechungen, so etwa in dem Track mit dem wunderbaren Titel „Ich danke allen Menschen“ (erinnert sich übrigens noch irgend jemand an Erich Mielkes „Ich liebe doch alle Menschen“?): „Jeder Tiefschlag, jedes Hochloben führt zu Tiefgang.“

Tiefgang, ehrlich? Wo es doch in „Diese Eine“ freundschaftsbuchreif heißt: „Von allen Frauen auf der Welt / bist du's, die mir am besten gefällt“. In „Eine Nacht“ wird es noch ein bisschen flacher: Abgesehen von einem grammatikalischen Dialektanfall („Ich bin genau der Mann, wo du brauchen kannst“) preist er sich hier als „superhart, aber mit Gefühl“ an. Da ist sogar eine Durex-Werbung sinnlicher. Letztlich wirkt Xavier Naidoo trotz Unterstützung durch Kollegen wie MoTrip, Chefket oder Kontra K unbeholfen und zaghaft auf seinem Weg zurück ins Licht der Öffentlichkeit. In dieser Form gilt: Dieser Weg wird kein leichter sein.

teleschau

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