Mensch-Maschine mit Hang zur Melodie

Orchestral Manoeuvres In The Dark (OMD): The Punishment Of Luxury

Orchestral Manoeuvres In The Dark - The Punishment Of Luxury

Ja, es gibt sie noch: Auch fast 40 Jahre nach ihrer Gründung machen OMD noch immer Musik. Das 13. Album der Briten ist eine Rückbesinnung auf ihre Wurzeln.

Wenn über elektronische Musik geschrieben oder gesprochen wird, dann wird zwangsläufig an irgendeinem Punkt auch Kraftwerk bemüht. Das ist einerseits richtig, weil sich die Spuren der deutschen Elektronikpioniere eben fast immer nachweisen lassen, wenn Musik elektronisch ist. Bisweilen wirkt es dann aber doch arg weit hergeholt, jedem Techno-DJ eine Vertrautheit mit der deutschen Avantgarde zu unterstellen. Im Falle der Briten von Orchestral Manouevres In The Dark (OMD) aber ist der Vergleich geradezu zwingend. Selten war das deutlicher als auf „The Punishment of Luxury“, dem neuen Album der Band von Andy McCluskey und Paul Humphreys.

Begonnen hat die Kraftwerk-Obsession der beiden Briten schon im Jugendalter. 15 Jahre war er alt, als er erstmals das Album „Autobahn“ hörte, erinnert sich Humphreys. Die Liebe zur Teutonenmusik ist bis heute geblieben. Schon „Isotype“, der zweite Track auf „The Punishment Of Luxury“, schreit mit jeder Note den Namen Kraftwerk hinaus in die Welt. Wenn eine Computerstimme scheinbar willkürliche Schlagwörter rezitiert, fühlt man sich wohl nicht zufällig erinnert an deren 81er-Album „Computerwelt“.

Aber anders als die Düsseldorfer, vor allem die frühen, sind die Briten von OMD eben auch Freunde von zünftigen Refrains, und sie können es sich nicht verkneifen, in lang gedehnten Melodiebögen zu schwelgen. Ob nun bewusstes Zugeständnis ans Formatradio oder nicht: Ohne ihre Synthie-Kaskaden und die epischen Keyboard-Flächen, die zum Mitsummen geradezu zwingen, wären OMD wohl nie so erfolgreich geworden. Nicht umsonst war ihr wabernde Ohrwurm „Maid Of Orleans“ 1982 die meistverkaufte Single in Deutschland.

Auf „The Punishment of Luxury“ hat man sich von diesem Erfolgsrezept nun ein Stück weit entfernt, das Album klingt härter, mechanischer - auch wenn der Titeltrack zunächst darüber hinwegtäuschen mag. Hier darf man noch nach Herzenslust mitsingen, wenn McCluskey die Auswüchse des Kapitalismus verdammt. Dann aber beginnt die Musik zu Stampfen wie dereinst die Dampfmaschinen im alten England.

Für eine Band, die Musik macht, die ohne Technologie so nicht möglich wäre, geben sich OMD auf ihrem 13. Album überraschend technikkritisch: „In the head you're the perfect machine, there's a hole where your heart should have been“, singt McCluskey in „Robot Man“; „Bend your body to the will of the machine“ heißt es in „La Mitrailleuse“. Aber dieses Misstrauen gegenüber der Technologie, mit der man ja eigentlich verschmelzen wollte, als „Mensch Maschine“ quasi, machte immer auch schon die Musik von Kraftwerk aus. OMD sind ihren Vorbildern auch 39 Jahre nach Bandgründung eben treu geblieben.

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare