Bring Me The Horizon

Es ist nichts mehr, wie es war

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Abenteuerlust und Eigensinn: Bring Me The Horizon verabschieden sich mit „Amo“ endgültig vom klassischen Metalcore.

Mit „Amo“ werden Bring Me The Horizon deutlich: Wir sind nicht mehr die krassen Jungs von einst. Wir sind jetzt richtig krass.

Als die US-Rockband Bring Me The Horizon vor drei Jahren das Album „That's The Spirit“ veröffentlichte, war sich die Plattenfirma sicher: Dieses Werk wird „die Mainstreamkultur für immer zu verändern“. Nun gut, knapp vorbei ist bekanntlich auch daneben, obgleich viele der Songs von damals tatsächlich die Luft einer neuen Ära atmeten. Vielleicht kapiert es der Mainstream ja mit „Amo“, dem nächsten Streich von Bring Me The Horizon: Es ist nichts mehr, wie es war.

Mutig oder inkonsequent?

Die bereits im Sommer veröffentlichte und inzwischen Grammy-nominierte Single „Mantra“ ließ nur leise erahnen, was mit dem Album auf das Publikum zukommen würde. Es ist einer der wenigen Titel auf „Amo“, die als reguläre Rocktracks eingeordnet werden können. Im Nachhinein wirkt die erste Zeile des Refrains wie eine versteckte Prophezeiung: „Before the truth will set you free, it'll piss you off“.

Harte E-Gitarren und Drums sind inzwichen verzichtbar: Bring Me The Horizon zeigen im Jahr 2019 keine Scheu mehr davor, die grundlegenden Elemente ihres urpsünglichen Metiers außen vor zu lassen. Sie brauchen all die herkömmlichen Katalysatoren in Form von Riffs und vokalen Ausbrüchen nicht mehr. Metalcore war gestern. „Da sind wir drüber hinweg“, scheint die Message zu sein. Erwachsen mag das der eine nennen, gezwungen andersartig der andere.

Mehr Disco als Rockfestival

Bei Stücken wie „Nihilist Blues“ werden viele Hörer ernsthafte Schwierigkeiten haben, Bring Me The Horizon überhaupt noch wiederzuerkennen. Die Musik wirkt elektronisch-kühl, und zu den kräftigen Beats kommt ein Gastauftritt der kanadischen Art-Pop-Musikerin Grimes. Man wähnt sich hier am ehesten in einer Disco, sicher nicht auf einem Rockfestival. „Fresh Bruises“ wabert dann eine Tür weiter durch fast schon trip-hoppige Gefilde. Und wer draußen nach „Heavy Metal“ ruft, findet einen ebenso betitelten Song auf der Platte, der das Genre in den letzten Sekunden einmal kurz auf die Schippe nimmt, ansonsten aber auf Beatboxing basiert und eigentlich gar nichts mit Heavy Metal zu tun hat.

Auf den mit Streichern ausgeschmückten Song „I Don't Know What To Say“ folgt dann das tatsächlich auch mal rockende Stück „Wonderful Life“ (featuring Dani Filth), während sich vor dem Fenster stimmungsvoll ein großes Elektronikgebirge auftürmt. Am Ende bleibt die Verwunderung über dieses Album das sicherste Indiz: „Amo“ ist in seiner Konsequenz brachialer als alles, was Bring Me The Horizon je zuvor gemacht haben.

teleschau

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