Johannes Oerding

Nicht nur über das eigene Leben singen

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Er hat wieder ein paar Songs aufgenommen, die auch vor Live-Publikum gut funkionieren werden: Johannes Oerding veröffentlicht sein neues Album „Konturen“.

Seine letzten beiden Platten erreichten Platinstatus, und auch die großen Hallen sind mittlerweile schnell ausverkauft: Für Johannes Oerding läuft es momentan richtig gut. Nun erscheint mit „Konturen“ sein inzwischen sechster Langspieler.

Wenn die Plattenfirma zur Einstimmung auf die neue Platte von Johannes Oerding vorwiegend seine bisherigen Erfolge auflistet (Gold- und Platinalben, 80 Konzerte im Jahr, Zusammenarbeit mit Peter Maffay und Udo Lindenberg), dann ahnt man schon, dass das Rad hier nicht neu erfunden werden soll. Oerding ist nicht der Musiker, der sich bevorzugt im Tonstudio vergräbt. Der langjährige Partner von Ina Müller steht lieber auf der Bühne und schüttet dem Publikum zu bombastischem Pop und kleinen Electro- oder Folk-Ausflügen sein Herz aus.

Auch die Teilnahme am Fernsehformat „Sing meinen Song - das Tauschkonzert“ war eine (bislang) einmalige Sache, die Oerding nach eigenem Empfinden ein wenig von seinem Weg abbrachte. „Die Anfragen, die danach kamen, habe ich fast alle abgesagt. Ich will wieder zur Basis und zwei, zweieinhalb Jahre auf Tour gehen, das ist mir wichtiger“, lässt der Sänger sich in einer Pressemeldung anlässlich des neuen Albums „Konturen“ zitieren.

So viel steht fest: Musikalisch klingt „Konturen“ nach einer echten Herzensangelegenheit, und auch live vor großem Publikum sollten die neuen Songs gut ankommen. Textlich wird es auf diesem Album aber durchaus auch politisch und sozialkritisch: „Was aktuell auf der Welt passiert, hat für uns alle Konsequenzen, deswegen hat es für mich in diesem Fall nicht funktioniert, einfach dreizehn Popsongs zu schreiben, die nur mich und mein Leben betreffen“, erklärt Oerding.

Ansprechend, aber nicht innovativ

Die Klavierballade „Blinder Passagier“ etwa ist zwar ein bisschen kitschig geraten, hält daneben aber auch eine Feststellung bereit, die sitzt: Neben Flüchtlingen in Seenot, die um ihr Leben bangen müssen, gibt es nach wie vor viele andere Menschen auf der Welt, die sich ebenfalls in prekären Situationen befinden und deren Leid im stressigen Alltag nicht weiter auffällt. „Anfassen“ setzt sich zu sanften Beats mit den negativen Seiten der Digitalisierung auseinander; das echte Leben zerfalle zu einem Staub aus Nullen und Einsen, heißt es da nachdenklich.

Gesanglich punktet Oerding einmal mehr mit seiner charakteristischen leicht angerauten Stimme, doch leider legt der breitwandige, elektronisch-optimierte Klang, der „Konturen“ einrahmt, sich schon seit einigen Jahren über die Mehrheit deutscher Pop-Produktionen. Was Mut und Innovationslust angeht, ist da sicher noch Luft nach oben.

teleschau

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