Release am 20. Oktober

„Das große Kotzen“: So klingt das Debüt-Album von Kaffkönig

Kaffkönig - Das große Kotzen

Das Leben in Bad Saulgau muss zum Kotzen sein. Kaffkönig können auf ihrem Debütalbum jedenfalls einige Lieder davon singen. Am Freitag, 20. Oktober, erscheint die Platte.

Woher Kaffkönig genau kommen, ist eigentlich egal. Auf jeden Fall von da, wo jemand im Dorf noch selbst schlachtet. Da wo am Sonntag alle auf den Ackerfußballplatz pilgern, weil wieder ein Lokalderby ansteht. Und vor allem von da, wo Routine zu Apathie geworden ist und man sich Neuem versperrt. Kein Wunder, dass ihnen „Das große Kotzen“ kommt. So nennen sie dann auch ihr aufgekratztes Debütalbum.

Aus welchen Gründen kann einem eigentlich das Kotzen kommen? Vor Nervosität? Die Indierocker von Kaffkönig machen nicht den Eindruck, als wären sie sich ihrer Sache nicht sicher. Von zu viel Alkohol? Sicher, sie laufen mit Pulle durch das Video zu „Gaffer & Beton“ und singen „Verkacken muss man mit der Flasche in der Hand“, aber wie maßlose Säufer wirken sie nicht. Also kotzen vor Wut? Da ist man bei Kaffkönig an der richtigen Stelle.

Auf ihrem Debüt wetzen die Kaffkönige ihre mittelfingerförmigen Schwerter und schreien sich vom Indierock in den Punk. Einer an Gitarre und Mikrofon (er nennt sich „der Sänger“), einer am Schlagzeug („der Drummer“), bilden sie so etwas wie die deutschen Japandroids, ohne dabei von Liebe und Freundschaft zu singen. Kaffkönig sind Antihaltung in Reinform. In Videos und Texten zerschmettern sie jede Dorfromantik (sie kommen übrigens aus Bad Saulgau) mit ihrem Blick auf das Dahinter, lassen einen Schützenverein für sich singen, zeigen Tristesse auf der Blümchencouch und wettern gegen konformistische Pop-Musik („Helene Forster“). Da hilft nur, den Dummschwätzern den Mund abzukleben („Gaffer & Beton“) und sich abzusetzen („Kaiserschnitt“).

Obwohl das Dagegen-sein immer sehr einfach ist, stellen Kaffkönig gleich zwei Kunststücke an, die „Das große Kotzen“ nie zu eindimensional wirken lassen. Zum einen sind die zehn Stücke mit durchschnittlich drei Minuten Länge nie ausufernd genug, um sich in stumpfer Wiederholung zu verlieren, wobei sie allerdings auch nicht die lyrische Schärfe von beispielsweise Love A erreichen. Zum anderen sind die Riffs so flächig und die Drums so satt, dass man gar nicht glauben kann, dass nur zwei Musiker diesen Anti-Knabenchor bilden.

Mit Subtilität, das hat man schon nach den ersten Sekunden dieses Albums verstanden, haben Kaffkönig nichts am Hut. Der Hörer kriegt die musikalischen Hiebe derart um die Ohren gepfeffert, dass er sich immer wieder schütteln muss. Natürlich gefällt so viel Haltung wie bei Kaffkönig nicht jedem, und sehr charmant kommen sie mit ihrem derben und direkten Ansatz auch nicht daher - aber sie sind wenigstens ehrlich. Und wenn die Wut sich mit aller Macht ihren Weg aus der Magengegend nach oben bahnt und so nonchalant ausbricht, dann hört man gerne zu, wie sie sich auskotzen. Kaffkönig, bitte übergeben Sie!

teleschau

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