Freya Ridings

Die neue Adele?

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Viele sehen in Freya Ridings bereits die neue Adele. Mit der britischen Pop-Queen hat Ridings aber nur wenig gemein, wie ihr selbetbetiteltes Solo-Debüt zeigt.

Taylor Swift und Florence + the Machine sind schon Fans: Freya Ridings glänzt auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum vor allem dadurch, dass sie der Popwelt mit kleinen Mitteln ihren Stempel aufdrückt.

Wenn Musikjournalisten auf der britischen Insel einen talentierten Rohdiamanten im Internet entdecken, kommt es gerne mal zu Schnellschüssen, Schnappatmung und der Sensationsmeldung, nun endlich eine neue Adele („Hello“) gefunden zu haben. So auch bei Freya Ridings. Mit der ersten Piano-Single „Blackout“ wurde die gebürtige Londonerin schon 2017 zur legitimen Nachfolgerin der britischen Pop-Queen ernannt. Aber mit Adele verbindet Freya Ridings nur die Gemeinsamkeit, selbst geschriebene Lieder am Klavier so zu singen, dass sie eine ganze Welt in ihren Harmonien tragen. Und vielleicht, dass beide an der BRIT School for Performing Arts & Technology waren.

In erster Linie ist es wohl das Nottinghamer Trio London Grammar, das auf Freya Ridings einen riesigen Einfluss hatte. Ausgehend von der Indie-Rock-Renaissance Anfang der 2000-er um Bands wie Franz Ferdinand, Florence + the Machine oder auch die New Yorker von The Yeah Yeah Yeahs, baute sich vor etwa zehn Jahren eine Bewegung auf, die dem angestaubten Genre Pop-Rock ein neues Gesicht verpassen wollte. Bombast, Orchester, Synthesizer - die Digitalisierung der Musik erlaubte es diesen Bands, Arrangements und Motive anders zu gestalten, als es Rock bisher kannte.

Die Konsequenz dieser Entwicklung wurde unter anderem klar, als Ridings (geboren 1994) im Jahr 2017 das ikonische Stück „Maps“ von The Yeah Yeah Yeahs coverte - zärtlich, melancholisch und intim. Als The Yeah Yeah Yeahs 2004 die Originalfassung von „Maps“ veröffentlichten, war Freya Ridings gerade zehn Jahre alt. Nun erscheint ihr erstes Album „Freya Ridings“, und darauf wandelt der „Grey's Anatomy“-Fan mit kleinen Mitteln auf den Spuren großer Stars.

Auf der Bühne gewachsen

In „Maps“ verwandelte die heute 25-Jährige das Proberaum-Gezocke von The Yeah Yeah Yeahs in ein sensibles Piano-Stück. Auf ihrem ersten Langspieler „Freya Ridings“ wird dieser Stil ausdifferenziert. Hier und da ein paar Streicher, eine Bassline, vielleicht ein Schlagzeug. Doch die Basis ist das Piano. Freya Ridings bleibt immer bei sich. Selbst vorpreschenden Songs wie die Single „Castles“ oder „Holy Water“ - poppige Gospel-Crossover im Stil von Florence +the Machine - triefen vor Einfühlungsvermögen. „How can I blackout you?“, fragt die Rothaarige eine verlorene Liebe in „Blackout“ zwischen schwarzen und weißen Tastengruppen, wo sich die Gefühle so verführerisch und doch so giftig durch das Herz brennen. In Begleitung eines Saiten-Ensembles stellt sie anderswo fest, dass Liebe „Unconditional“ sein kann, also bedingungslos. Wenn sie denn echt ist.

Ridings erscheint als ein zartes Gemüt auf ihrem Studio-Debüt, das vor allem ein Beziehungs-Album ist. Oft geht es um Trennungen, um das Finden und Wiederfinden. Mit ihrer gesanglichen Reichweite zwischen sensitivem Falsett und kreischenden Hochtönen kann die Tochter des Schauspielers Richard Ridings („Planet der Affen: Prevolution“) das Universalthema Liebe so nuanciert bearbeiten, dass selbst abgedroschene Felder wie das „Was wäre gewesen, wenn ...“-Motiv auf „Elephant“ noch emotionale Wucht entwickeln. Es ist ihre stimmliche Präsenz, die eben mehr zwischen Hannah Reid (London Grammar) und Florence Welsh schwankt, als dass sie versuchen würde, Adeles Power-Performance nachzueifern.

Viele der Songs sind bereits von ihren Live-Alben „Live At St Pancras Old Church“ und „Live At Omeara“ bekannt. Auch re-arrangierte Songs ihret EP „You Mean The World To Me“ (März 2019) sind auf „Freya Ridings“ zu finden, sowie ihr bisher größter Hit „Lost Without You“. Das Album „Freya Ridings“ ist aber keine Zweitverwertung - es bündelt lediglich die Kreativität einer Künstlerin, die auf der Bühne gewachsen ist.

teleschau

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