Zwischen Fröhlichkeit und Melancholie

Neues von Nahko: „My Name Is Bear“ – musikalische Medizin, die wirkt

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Couchpotato? Nur fürs Fotoshooting. Nahko ist ein umtriebiger Musiker.

Bärenstark mit sanfter Stimme: Nahko, der sonst mit dem Kollektiv Medicine For The People auftritt, reist mit seinem Soloalbum „My Name Is Bear“ durch die eigene Biografie.

Ein 18-Jähriger aus Oregon verlässt seine Adoptiveltern, um seiner großen Liebe von Alaska bis nach Louisana zu folgen. Vier Monate lang lebt das Paar in einem Haus im tiefen Süden, lernt bittersüße Lektionen über die Liebe und das Leben. Die nächste Reise führt den jungen Mann zu seinen Wurzeln. Sein Vater wurde ermordet, seine Mutter hatte ihn zur Adoption freigegeben, weil sie als damals 15-Jährige keine andere Wahl sah. 2007 findet der Sohn sie zufällig über Google und stellt fest, dass sie nur 15 Minuten von seinem Zuhause entfernt wohnt. Auf ihre Frage, was er mache, antwortet er: „Musik.“ Sechs Jahre später feiert die Band Nahko and Medicine For The People mit dem Debüt „Dark As Night“ einen bemerkenswerten Überraschungserfolg. Das Video zum Song „Aloha Ke Akua“ wird über sieben Millionen Mal aufgerufen, ausverkaufte Tourneen folgen. Nun ist dieser Nahko solo unterwegs und veröffentlicht sein Album „My Name Is Bear“.

Das Leben dieses Künstlers liest sich wie das Drehbuch eines Coming-of-Age-Dramas, mit einem kleinen Bären, aus dem inzwischen der gestandene Mann Nahko Bear wurde. Nun fügt er ein weiteres großes Kapitel hinzu. Sein beeindruckendes Solodebüt schöpft stilistisch alles aus, was seine Herkunft mit puertorikanischen, indianischen und philippinischen Wurzeln hergibt.

Handgemachte Musik mit Gitarre und minimalistischen Arrangements

In „Dragonfly“ hört man Weltmusik-Anklänge und in „Hamuka“ eine Laidback-Mentalität, die an Jack Johnson erinnert. „Jirby, Joe“ erinnert an die Flowerpower-Stimmung der 60-er, und mit „Sing Him Of My Revelations“ liefert Nahko Singer/Songwriter-Folk, der so ähnlich auch aus der Feder seines großen Vorbilds Bob Dylan stammen könnte.

Bei den meisten Songs setzt Nahko auf handgemachte Musik mit Gitarre und minimalistischen Arrangements, fast wie bei einem Unplugged-Konzert. Lediglich der sphärisch-träumerische Song „Susanna“ und die energetische Ballade „Alice“, die sich gut als Titelsong eines Disney-Films eignen würde, klingen nach State-Of-The-Art-Tonstudio. Erfrischend aus der Reihe tanzt außerdem die rockige Uptempo-Nummer „Early February“, die Nahko mit vollem, kräftigen Bigband-Sound versieht. Allen Songs gemein ist die warme Ausstrahlung, die hauptsächlich von Nahkos Stimme herrührt - und die Qualität, dass sie sich schnell im Ohr festsetzen.

„Ich habe das mit 18 über meine erste Liebe geschrieben“

Als erste Single wählte Nahko, der sich mit diesem Soloalbum in jeder Hinsicht als sehr selbstbewusst präsentiert, den Song „Dragonfly“, der randvoll ist mit autobiografischen Flashbacks. „To my former dragonfly, I resist and I survive“ heißt es darin. „Ich habe das mit 18 über meine erste Liebe geschrieben“, verrät Nahko. Nicht nur hörens-, sondern auch sehenswert: Im Video zu „Dragonfly“ spielt die mit Nahko befreundete Michael-Jackson-Tochter Paris eine Hauptrolle.

Mit „My Name Is Bear“ transportiert Nahko alle möglichen Emotionen zwischen Fröhlichkeit und Melancholie, doch verfolgt der außergewöhnliche Musiker mit der bemerkenswerten Biografie vor allem ein Ziel: Er möchte nicht nur, dass die Hörer für eine Stunde Freude haben, sondern dass sie sich durch seine Musik „insgesamt besser fühlen“. Seine Medizin wirkt ...

teleschau

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