Maddie Medley

Wo das Näherkommen noch erlaubt ist

Gestern noch im beschaulichen Nashville, morgen auf den großen Bühnen der Welt? Maddie Medley steht am Beginn einer verheißungsvollen Karriere.
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Gestern noch im beschaulichen Nashville, morgen auf den großen Bühnen der Welt? Maddie Medley steht am Beginn einer verheißungsvollen Karriere.

Schön zum Einigeln: Maddie Medley wagt sich mit der kleinen, aber feinen EP „Coming Of Age Pt. 1“ aus der Country-Metropole Nashville auf die große Bühne und in die Streaming-Portale.

Da steht so ein niedlicher Rotschopf mit Gitarre in der Hand im Sonnenblumenfeld und singt über die Liebe. Gezupfte Streicher - check. Glöckchen - check. Und trotzdem schafft es Maddie Medley (niedlicher Name - check), aus all diesen Klischees in ihrer ersten Single „Buzz“ einen ehrlichen, fast erdigen Song zu machen. Zum Teil liegt das sicher an ihrem Produzenten Dave Cobb, bei dem immerhin schon sechs Grammys im Regal stehen und der ebenso wie die Sängerin aus Nashville, Tennessee, stammt. Zum Teil liegt es aber natürlich auch an ihrer vollen, warmen Stimme, die immer ein wenig so klingt, als habe sie gerade einen Kloß im Hals. Und nicht zuletzt an ihren Songwriterqualitäten, wie Maddie Medley mit den weiteren Stücken auf ihrer kurzen, aber eindrucksvollen Debüt-EP „Coming Of Age Pt. 1“ beweist.

Die Entstehungsgeschichte von „Buzz“ beschreibt die 22-Jährige so: „Ich verbrachte einen gesamten Sommer damit, mich zu verlieben und darüber zu schreiben.“ Sie sei noch nie so „glücklich und enthusiastisch“ gewesen und habe Monate damit verbracht, „auf der Veranda eines Hauses in East Nashville zu sitzen, selbst dann, wenn es in Strömen regnete“. Diese Energie hat sie tatsächlich gut eingefangen, und so ein Seelenstreichler ist sicher nicht fehl am Platz in den Tagen, in denen man selbst zwangsweise sehr viel Zeit am immer gleichen Ort verbringt (auch wenn die Zeile „Please get too close to me“ - „Bitte komm mir zu nah“ - inzwischen anders klingt, als sie das noch vor ein paar Wochen getan hätte).

Bitte mehr und bitte bald!

Aber bevor wir uns jetzt alle unsere dicken Socken anziehen, im Flanellhemd durch die Wohnung huschen und wohlig seufzend unsere warmen Kaffeetassen mit beiden Händen umklammern, bringt Medley ein bisschen Biss mit rein: „Edith“ ist zuallererst ein optimistischer Ohrwurm, durchs Hintertürchen aber auch noch eine coole feministische Hymne, die Generationen starker Frauen beschwört. Medley hat sie schon mit 17 Jahren geschrieben, als sie sich nach dem Tod ihrer Großmutter erstmals mit der Frage auseinandersetzte, was es bedeutet, als Frau in die Welt geboren worden zu sein.

Eine richtige Kehrtwende bringt schließlich der Titeltrack „Coming Of Age Pt. 1“: Aus der hübsch ausgeschmückten Indie- Wohlfühloase katapultiert Medley ihre Hörer in den Alternative Rock der 90er-Jahre und beweist, dass sie auch PJ Harvey kann. Oder zumindest könnte, wenn sie will. Jedenfalls ist die deutlich rauere Break-up-Nummer eine sehr willkommene Überraschung. Von dieser Vielseitigkeit bitte mehr und bitte bald!

teleschau

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