Céline Dion

Ein mutiger Schritt in ein neues Leben

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In „Courage“ beschreibt Céline Dion, welchen Schmerz sie nach dem Tod ihres Mannes und ihres Bruders mit sich herumtrug und immer noch herumträgt. Doch das neue Album ist auch ein Neuanfang, mit dem sie gekonnt in die moderne Welt der Musik eintaucht.

Das neue Album „Courage“ von Weltstar Céline Dion hält, was der Titel verspricht: Es bietet einen mutigen Mix aus vielen musikalischen Stil-Elementen, ist aber auch ein unerschrockener Schritt in Richtung Neuanfang.

Kaum eine Künstlerin kann auf eine so grandiose Karriere zurückblicken wie Céline Dion: Zwischen den Jahren 2000 und 2010 war sie die bestverdienende Künstlerin weltweit. Mit mehr als 250 Millionen verkauften Tonträgern zählt sie zu den erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten. Und das, obwohl es zuletzt eher ruhig um die Kanadierin wurde: Vor sechs Jahren veröffentlichte sie ihr letztes englischsprachiges Album „Loved Me Back To Life“, drei Jahre später erschien „Encore un soir“, vollständig auf Französisch eingesungen. Nun folgt mit „Courage“ ein Ausflug in eine ganz neue, moderne Welt voller Überraschungen.

Das eher nachdenkliche und gefühlvolle Album „Encore un soir“ erschien kurz nach zwei großen Verlusten: Im Januar 2016 starb Dions Ehemann und vormaliger Manager René Angélil, und nur zwei Tage später auch ihr Bruder - beide an Krebs. Der Schmerz darüber prägt zwar auch ihr neues Album, doch daneben wirkt „Courage“ auch wie eine Art Neuanfang. „Ich glaube, ich habe eine Menge durchgemacht. Und das Leben hat mir die Werkzeuge gegeben, um meine innere Kraft und meinen Mut zu finden und weiterzumachen“, wurde die Ausnahmekünstlerin Anfang des Jahres vom amerikanischen „Billboard“-Magazin zitiert.

In den 16 neuen Songs (die Deluxe Edition enthält 20 Titel), von denen vier bereits als Single veröffentlicht wurden, wagt die 51-Jährige spannende Experimente in einem kreativen Mix, der ihre musikalische Bandbreite und auch ihre Anpassungskraft an die heutige, moderne Musikindustrie unter Beweis stellt. Die Kanadierin steigt mit flottem Dance-Pop inklusive Elektrobeats in das Album ein („Flying On My Own“), gefolgt von einem Song mit Rap-Elementen („Lovers Never Die“) und einer ruhigen Ballade („Falling In Love Again“), bevor es bei „Lying Down“ wieder dynamisch wird: Mit Streichern und Chören schufen DJ David Guetta und Sängerin Sia eine Elektroballade für Dion, die direkt als Filmmusik eingesetzt werden könnte.

Ein neues Kapitel

Und es geht abwechslungsreich weiter: Der Titelsong „Courage“ ist eine emotionale Klavierballade, „Imperfections“ wieder voller Elektrobeats und stellenweise fast rockig. Nach den ersten Songs pendelt Dion sich zwar langsam wieder bei den gewohnten gefühlvollen Powerballaden ein, was jedoch nicht weniger spannend ist. Dann wird die „My Heart Will Go On“-Sängerin von Trompeten und Chören begleitet („How Did You Get Here“), oder sie spielt mit monumentalen Echo-Effekten („Perfect Goodbye“, „Heart Of Glass“). Ein weiteres Highlight, auch nach einer fast 40-jährigen Karriere, ist natürlich wieder Dions Stimme: Mal singt sie sehr tief (Einstieg von „Look At Us Now“), mal sehr hoch (Refrain von „Boundaries“), und mal fliegt sie scheinbar spielerisch über die Tonleiter („Baby“, „The Hard Way“).

Inhaltlich schwingen die großen Verluste der jüngeren Vergangenheit immer noch mit: Zeilen wie „I never thought that I would be strong enough to move on“ („Falling In Love Again“), „Sometimes it drowns me 'till I can't breathe“ („Courage“) oder „Why'd you say goodbye if lovers never die“ („Lovers Never Die“) unterstreichen deutlich den Schmerz, den sie noch heute in sich trägt. Doch die Wehmut zieht sich nicht durch das gesamte Album: „Nobody's Watching“ beispielsweise ist ein chilliger Lounge-Tanzsong, „Imperfections“ handelt von Selbstkritik („Before I can love you, I need to learn to love myself“), und „Flying On My Own“ strotzt nur so vor Tatendrang („It's a beautiful day, I look to the sky now, I'm finding my way“). Und immer wieder besingt sie den mutigen Schritt in ein neues Leben: „Remember the good times, let go of the pain“, erklärt sie zum Beispiel in „Say Yes“.

Hinter all den Elektrobeats, Filmmusik-Effekten und Powerballaden bietet das Album tiefe Einblicke in die Gefühlswelt einer Frau, die aus einer schweren Situation auch wieder Mut schöpft, einen Neuanfang wagt und mit frischer Stärke wieder in die aktuelle Musikwelt einsteigt. Es scheint tatsächlich, als schlage der Weltstar hier ein neues Kapitel auf.

teleschau

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