Destroyer

Musik für Traumfänger

Dan Bejar ist seit jeher das Gesicht von Destroyer.
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Dan Bejar ist seit jeher das Gesicht von Destroyer.

Auf dem 13. Destroyer-Album schaufelt sich die kanadische Band um Dan Bejar erneut ein vielschichtiges Tunnelsystem ins Unterbewusstsein.

„Beim ersten Hören der Platte war mir total mulmig und ich dachte nur: Oh Gott, was tun wir hier?“, gestand Destroyer-Mastermind Dan Bejar kürzlich in einem „Deutschlandfunk“-Interview zum neuen Album. Anfangs wusste er selbst nicht so recht, was er von der Platte halten sollte. Aber mit jedem neuen Durchlauf gefielen ihm die Songs besser - ein Umstand, den man als Außenstehender beim Hören von „Have We Met“ nur allzu gut nachvollziehen kann. Destroyer waren noch nie eine gefällige Band, die sich ihren Zuhörern anbiedernd an den Hals schmiss. Eingängig, ja - aber doch immer zu sperrig, um mit kalkulierbarem Mainstream-Pop verwechselt zu werden.

Auf ihrem 13. Album stapeln Destroyer einmal mehr die butterzarte Stimme von Dan Bejar über sphärische Keyboard-Flächen, funky Bass-Grooves und hypnotische Drum-Loops. Heraus kommt dabei eine krude, leicht melancholische Melange, so als hätte man New Order, Kraftwerk, die Pet Shop Boys und ein paar Hektoliter außerplanetarischer Lava gemeinsam durch den Audio-Fleischwolf gedreht.

Ein Album, das Zeit braucht

Dass das Endergebnis auch Sänger und Songschreiber Dan Bejar so überraschte, ist leicht zu erklären. Nachdem er erste Demos aufgenommen hatte, schickte er sie unbearbeitet seinem langjährigen Produzenten John Collins, der autark an den Stücken weiterarbeitete. Insbesondere dessen Hang zu harmonischen Soundscapes formte „Have We Met“ deutlich und schuf erst die nötige musikalische Breite und den nötigen Raum für die stark intuitiv wirkenden Lyrics.

Aufgrund dieser Arbeitsweise war Bejars ursprünglicher Plan, ein sehr raues und ungeschliffenes Album zu schaffen, schnell passé - denn als man sich zum finalen Feinschliff traf, war von der angedachten Roh- und Ungeschliffenheit nicht mehr viel übrig. Wohl auch deshalb hatte Bejar anfangs seine Schwierigkeiten mit dem Endresultat. Tatsächlich braucht die Platte etwas Zeit, ehe man sich in den überbordenden Soundlandschaften und den vernebelten Gedankengängen Bejars zurechtfindet. Doch wenn man sich diese Zeit nimmt, wird man mit einem bewusstseinserweiternden, transzendentalen Trip ins Nirgendwo belohnt. Und dann stellt man sich womöglich dieselbe Frage wie Bejar am Anfang: Oh Gott, was tun wir hier?

teleschau

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