Zurück zu Altbewährtem

„Return To Ommadawn“: Mike Oldfield mit neuem Album

Mike Oldfield - Return To Ommadawn

Mike Oldfield verarbeitet Schicksalsschläge in seiner Musik. Am besten gelang ihm das 1975 mit der Platte „Ommadawn“. Nun kehrt er dorthin zurück.

Druck von oben, Druck von innen: Das Jahr 1975 war kein einfaches für Mike Oldfield. Doch der damals bereits mehrfach ausgezeichnete Musiker schwamm sich frei. „Ommadawn“, das dritte Album des seinerzeit 22-Jährigen, war im Gegensatz zu seinem bis dato erschienenen Werk alles andere als ausschweifend und extrovertiert. Bis heute gilt es als seine persönlichste Arbeit: Feinsinnig, eklektisch und doch in jeder Note dem Experiment zugetan, spielte sich Oldfield in die Herzen seiner Fans. Und genau das macht der Engländer nun ein zweites Mal. An der bewährten Rezeptur seines über 40 Jahre alten Meisterwerks rüttelt er dabei nicht. „Return To Ommadawn“ ist strukturell, instrumentell und thematisch eine exakte Kopie des Originals - ohne freilich auf Tausende neuer Akkordfolgen zu verzichten, die nach und nach entdeckt werden wollen.

Mit neunfachem Platin wurde Oldfields Debüt „Tubular Bells“ (1973) ausgezeichnet. Eine solche Mixtur aus Rock, Folk, Avantgarde und Ambient-Anleihen hatte man bis dato nicht gehört. Auch der ebenso orchestrale wie introvertierte Nachfolger „Hergest Ridge“ verkaufte sich ein Jahr später wie geschnitten Brot. Hätte also alles bestens für den jungen Multi-Instrumentalisten sein können. Doch persönliche Probleme und die stetige Erwartungshaltung seitens Oldfields Plattenfirma, eben bitteschön auch Hitsingles zu schreiben, zehrten an dessen Selbstbewusstsein und seelischen Gleichgewicht. Er zog sich aufs Land zurück, verschanzte sich im eigenen Home-Studio in Wales und tüftelte an „Ommadawn“, für das er nun als erfolgreicher Komponist zwischen Anspruch und Unterhaltung alle Möglichkeiten hatte - technisch, monetär sowie personell.

In Sachen Beliebtheit überholte es sogar „Tubular Bells“. Folkloristische Elemente aus der ganzen Welt, afrikanische Perkussions-Cluster, schwebende Chor-Samples und die ätherischen Synthie-Schwaden machen das Werk zeitlos. Über allem steht jedoch Oldfields Können an den Saiteninstrumenten: Die filigranen Muster, die sich wie selbstverständlich über akustische und elektrische Gitarren und deren Artverwandte (darunter Mandoline, Bouzouki und Banjo) legen, rauben noch immer den Atem. Wie sich gezupfte Akkord-Figuren immer mehr verschachteln, ohne auch nur diesen opulenten Wohlklang eine Sekunde aus den Augen zu verlieren - genial!

Nicht anders bei der Rückkehr: Zwei Longtracks gliedern benannte Elemente in knapp 40 wundervolle Musik-Minuten. Die Emotionalität der in kompletter Eigenregie entstandenen Platte ist damals wie heute umwerfend. Es ist eine Verbeugung vor dem eigenen Werk, vor der handgemachten Zeitlosigkeit von „Ommadawn“. Und ein probates Mittel, erneut Tiefschläge im Leben zu verarbeiten. „Return To Ommadawn“ ist auch Oldfields ältestem Sohn Dougal und seinem Vater Raymond gewidmet, die zur Zeit der Entstehung des Albums verstarben.

tsch

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