Puss N Boots

Meisterhaft geklampft

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Ein Herz, eine Seele: Sasha Dobson (links), Catherine Popper (Mitte) und Norah Jones bilden das Trio Puss N Boots.

Die „Sisters“ Norah Jones, Sasha Dobson und Catherine Popper laden zur Jamsession mit Country-Klassikern, süßen Harmonien - und fiesen Fußangeln.

Es ist unfair, aber: Norah Jones. Zuallererst mal Norah Jones. Das muss man hier voranstellen, denn wenn man mit den Namen Sasha Dobson oder Catherine Popper beginnen würde, wüsste wohl kaum jemand, welches Level an Kunstfertigkeit man auf dem Album „Sisters“ erwarten darf. Dabei ist das verdammt hoch. Sowohl Popper als vielbeschäftigte Bassistin, die unter anderem schon mit Jack White, Ryan Adams, Karen Elson und Willie Nelson zusammenarbeitete, als auch die Jazz- und Alternative-Rock-Sängerin Dobson, die bereits drei eigene Alben veröffentlichte, haben schon genug Meriten gesammelt. Und über Jones, die schon vor 18 Jahren mit ihrem Pop-Jazz-Album „Come Away With Me“ zur Musikgigantin wurde, muss man wohl nichts weiter sagen - außer vielleicht, dass ihre Experimentierfreude ihr Profitstreben eindeutig überschreitet: Statt sich auf der Kuscheljazz-Schiene von „Come Away With Me“ auszuruhen, ist die mittlerweile 40-Jährige immer neugierig geblieben, weshalb sie sich auch auf einige ungewöhnliche Kollaborationen einließ - in der langen Liste finden sich unter anderen die Foo Fighters, Willie Nelson, Outkast, Q-Tip und Dolly Parton.

Eigentlich sollte Puss N Boots für die drei Musikerinnen, die zuerst privat zusammenfanden, nicht noch ein Projekt sein - sondern eine Gelegenheit für drei Freundinnen, einfach draufloszuklampfen. Sie tauschten munter Instrumente, Bassistin Popper wurde auch endlich mal vors Mikro geschubst, Jones klemmte sich hinter die Drums und Dobson griff zur Gitarre. Ganz entspannt in Clubs in und um Brooklyn, New York. Vor knapp sechs Jahren kam es dann doch mal zum ersten Album „No Fools, No Fun“. Kürzlich hatten die drei Damen wieder mal eine komplette Woche füreinander Zeit - und schon stand das zweite Album, dem man seine Entstehungsgeschichte deutlich anhört: „Sisters“ ist kein Kracheralbum, auf dem sich Hit an Hit reiht. Vielmehr stimmt schon der Lo-Fi-Instrumental-Opener „Jamola“ auf eine lockere Jamsession in spürbar familiärer Atmosphäre ein.

Große Gefühle in kleinen Songs

Jones, Dobson und Popper, die vor wenigen Monaten bereits eine „Christmas“-EP veröffentlichten, teilen sich auch auf dem neuen Album schwesterlich das Rampenlicht und die Autorenfedern. Sie wechseln sich an den Instrumenten und am Mikro ab und drücken so jedem Song einen eigenen Stempel auf: Jones' gemütlicher Schunkler „You Don't Know“, zu dem es sich auch gemütlich in den Sonnenuntergang reiten ließe, steht hier vor dem Stück „The Great Romancer“, in dem Dobson als reichlich desillusioniertes Gegenstück zu Mariah Carey „All I want for Christmas is an answer“ singt - und sich offenbar schon im Klaren darüber ist, dass sie die nicht mehr bekommen wird. Wesentlich sanfter gibt sich Popper in dem vergleichsweise friedlichen Stück „Razor Song“.

Keiner der Songs macht ein großes Drama; wer möchte, kann sich zurücklehnen und den relaxten Sound an sich vorbeiziehen lassen. Wer aber genauer hinhört, wird auch noch einige fiese Fußangeln entdecken. Etwa, wenn Jones ihrem Partner gänzlich entspannt diese vernichtenden Zeilen vor die Füße wirft: „You don't know the things I'm dreaming of / You don't know the things I'm rising above“ („You Don't Know“). Gerne spielt das Trio auch mit dem Tempo: Im Mitsing-Garanten „Same Old Bullshit“ ziehen sie es vor, die Auflistung ihres gesamten Elends ordentlich dahinzuschleppen, anstatt sie herunterzurattern; ihr Cover von Tom Pettys doch sehr träumerischem „Angel Dream“ wird durch einige Tempo- und Rhythmuswechsel um einiges lebendiger als das Original. Kurz vor dem Ende findet sich auf dem Album die 90er-Alt-Rock-Nummer „Joey“, die in den Händen von Puss N Boots erst einmal luftig, leicht und sanft wirkt - und genau dadurch im starken Kontrast zum Text doch die ganze Dramatik zwischen einer Frau und ihrem süchtigen Freund offenbart. Den Schluss macht mit „The Grass Is Blue“ schließlich ein Tribut an Country-Übermutter Dolly Parton, in dem die drei „Sisters“ noch einmal zeigen, wie viel Gefühl man in einen eigentlich kleinen Song packen kann.

teleschau

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