Erster Schritt in die zweite Karriere

Album-Kritik: Matthias Steiner mit „Zurückgeliebt“ 

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Mit „Zurückgeliebt“ veröffentlicht Matthias Steiner sein erstes Album.

Authentisch zur neuen Karriere: Der ehemalige Olympiasieger Matthias Steiner veröffentlicht sein Debütalbum.

Matthias Steiner singt jetzt. Für einen Sportler, zumal einen Olympiasieger, ist das ein ungewöhnlicher Weg. Dass einige behaupten mögen, Steiner mache das nur, weil ihm ansonsten langweilig werden könnte, ficht den ehemaligen Gewichtheber nicht an. „Nörgler gibt es immer“, sagt der 34-Jährige mit der Gelassenheit eines Schwergewichts, das schon ganz andere Hürden aus dem Weg geräumt hat - sportlich wie privat. Auf seinem Debütalbum „Zurückgeliebt“, einer deutschsprachigen Mischung aus Pop, Rock und Schlager, verarbeitet ersehr persönliche Erfahrungen. In einem oftmals als oberflächlich beurteilten Genre gelingt dem Sänger Steiner durchaus Tiefgang. Aber auch der Spaß kommt nicht zu kurz.

Nein, nur einen Schnellschuss wollte Matthias Steiner nicht abliefern. Dafür hätte er auch einfach eine eingängige Party-Nummer aufnehmen können, wie er meint. „Zum einen bin ich das nicht, zum anderen hätten wohl einige erst recht gesagt, jetzt macht der Steiner einfach nur etwas Musik, weil ihm ansonsten langweilig ist“, erklärt das ehemalige Schwergewicht im Gewichtheben. Sein erstes Album „Zurückgeliebt“ soll nachhaltig wirken. Es soll ihm den Weg in eine zweite Karriere ebnen.

Mehr als zweieinhalb Jahre hat Steiner nach eigener Aussage an seinem Debüt gearbeitet, viel Zeit investiert, auch mit Vocal-Coaching. „Wir haben viel ausprobiert, auch englische Songs oder Dialekt“, berichtet der Quereinsteiger. Mit den Produzenten Rudolf Müssig und Christoph Leis-Bendorff entstanden letztendlich zwölf Songs zwischen Pop, Rock und Schlager. Steiner selbst verortet sie schlicht als „deutschsprachige Musik“.

Dass er stimmlich und musikalisch erneut etwas reißen könnte, belegt er sogleich mit der titelgebenden ersten Single. „Zurückgeliebt“, angetrieben von wuchtigen Rockgitarren, zielt eindeutig auf die großen Emotionen einer Liebe. Steiner widmet den Song seiner zweiten Ehefrau Inge, die er 2010 kennenlernte und zwei Jahre darauf heiratete. Die Zeilen „War gefangen in meinem Kopf, hab kein Licht mehr gesehen, hab auch nicht mehr versucht, die Welt zu verstehen“ beschreiben Tiefen eines Lebens, durch die Matthias Steiner unter anderem durch den schmerzhaften Verlust seiner ersten Ehefrau gehen musste.

„Bei den Texten, die auch autobiografisch sind, war mir wichtig, dass sie transportfähig für andere Zuhörer sind, sodass sie sich mit ihnen identifizieren können“, sagt Steiner. Freilich aber muss deutschsprachiger Schlager-Pop nicht zwangsläufig nur die ganz großen Gefühlswallungen zwischen Liebe und Leid anklingen lassen. Neben einer weiteren Feelgood-Nummer wie „Uns bleibt unsre Liebe“ versteht sich der gebürtige Wiener auch auf gute Laune. Mit einer guten Portion Humor macht er sich auch über seine vergangene Karriere als Sportler lustig. Er singt in einer druckvollen Nummer mit Bluesrock-Einschlag: „Schuld ist immer nur der Trainer“. Damit ist Steiner dann doch noch bei einer Partynummer angekommen - allerdings mit einem Augenzwinkern.

tsch

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