Interview zum ersten Album

Matthias Schweighöfer: „Es war mir wichtig, dass mein erstes Album ehrlich ist“

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„Ich habe nie in Schülerbands gespielt, und es war auch nicht so, dass meine Eltern musikalisch gewesen wären“, meint Matthias Schweighöfer über seine musikalische Vorprägung.

Er ist Schauspieler, Synchronsprecher, Regisseur, Produzent, zweifacher Vater und nun auch noch Sänger. Was kann Matthias Schweighöfer eigentlich nicht?

Dass Matthias Schweighöfer ein Faible für Musik hat, ist kein großes Geheimnis: Die Songs für seine Filme sucht der 35-Jährige seit jeher selbst aus oder bringt sich bei der Komposition mit ein. Er sang ein Duett mit Philipp Poisel, steuerte 2014 als Soundtrack zu dem Film „Der Nanny“ die Single „Fliegen“ bei und war zudem in Musikvideos von Bands wie Silbermond zu sehen. Mit „Lachen Weinen Tanzen“ veröffentlicht der Schauspieler nun sein erstes Album - eine Pop-Platte mit filmästhetischem Anspruch und nachdenklichen Texten.

nordbuzz: Matthias, wann und weshalb haben Sie das letzte Mal gelacht, geweint und getanzt?

Matthias Schweighöfer: Getanzt habe ich das letzte Mal auf einem Konzert von Rammstein, das war der Wahnsinn. Geweint habe ich das letzte Mal in einer Szene von einem Film vor zwei Wochen.

nordbuzz: Das zählt nicht.

Schweighöfer: Sie meinen so richtig? Als ich die Serie „The OA“ gesehen habe, musste ich weinen. Und gelacht habe ich heute schon, aber ich weiß gar nicht mehr worüber. Ich lache eigentlich relativ oft.

nordbuzz: „Lachen Weinen Tanzen“ heißt auch Ihr erstes Album. Warum machen Sie jetzt auch noch Musik?

Schweighöfer: Warum nicht? Ich höre wahnsinnig gerne Musik und habe an den Scores für meine Filme schon immer mitgearbeitet. Auf meinem Clavinova häuften sich seit zehn Jahren mehr und mehr Ideen. Meine Freunde Josef Bach und Arne Schumann, mit denen ich auch die Musik für „Der Nanny“ geschrieben habe, meinten dann eines Tages, dass ich da doch mal dran arbeiten soll und es schade wäre, das alles wegzuschmeißen. Ich hatte gerade acht Monate frei, also haben wir angefangen. Später kamen noch Nisse und Jasmin Shakeri ins Boot, mit denen ich die Texte geschrieben habe - und plötzlich hatten wir ein ganzes Album fertig.

nordbuzz: Dabei spielen Sie lediglich „ganz okay Klavier und sehr schlecht Gitarre“, wie Sie mal gesagt haben.

Schweighöfer: Ich bin wirklich Laie. Ich habe nie in Schülerbands gespielt, und es war auch nicht so, dass meine Eltern musikalisch gewesen wären. Die können beide nicht singen, soweit ich weiß. Ich selbst spiele alles nach Gehör. Aber irgendwie ist das auch ganz schön, denn so kommt alles direkt vom Herzen.

nordbuzz: Was löst Musik in Ihnen aus?

Schweighöfer: Alle möglichen Gefühle. Mal macht sie mich traurig, dann kann ich dazu zwei Stunden durchjoggen. Ich kriege durch Musik auch wahnsinnig viel Fantasie. Durch Musik ist für alles das richtige Gefühl da, und man kann sich noch mehr in Situationen hineinversetzen. Manchmal, wenn ich beim Joggen Musik höre, stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn ein Film mit einer bestimmten Szene anfängt - und schon bin ich in einer Verstärkung dieser Emotion.

„Zu Hause läuft ständig Musik“

nordbuzz: Spielt Musik bei Ihnen zu Hause eine Rolle?

Schweighöfer: Zu Hause läuft ständig Musik - zurzeit vor allem der Soundtrack zu „Bibi & Tina“. Ich wollte eigentlich immer Tony Bennett anschmeißen, aber das interessiert im Haushalt keinen. Auch mein eigenes Album interessiert keinen. Aber „Bibi & Tina“ läuft bei uns rauf und runter. Ich muss zugeben, dass das gar nicht so schlecht ist. Manchmal muss ich echt lachen.

nordbuzz: Emotionen auszulösen, das war auch die Ambition bei Ihrem Album. Für welche Momente ist „Lachen Weinen Tanzen“ der richtige Soundtrack?

Schweighöfer: Wenn man im Sommer an den See fährt und laut mitsingt. Man macht das Fenster auf, ein warmer Wind weht rein, es geht durch die Stadt und über das Land. Donald Trump hat mal keinen komischen Spruch von sich gelassen. Das wäre schön. Oder auch abends, wenn man sich eine Flasche Wein oder ein Bier aufmacht, eine Kerze anzündet und sich der Freundin oder dem Freund gegenüber setzt.

nordbuzz: Man könnte das Album auch „kleine Philosophiestunde mit Matthias Schweighöfer“ nennen.

Schweighöfer: Kann sein. Das sind einfach Themen, über die ich mir Gedanken mache.

nordbuzz: Im Titelsong geht es darum, den Moment zu genießen, im Hier und Jetzt zu sein. Gelingt Ihnen das stets?

Schweighöfer: Mal besser und mal schlechter. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man früher irgendwie viel mehr Zeit für alles hatte. Letzte Woche saß ich beim Dreh in der Maske, da waren sechs Leute im Raum und alle, wirklich alle, hingen an ihren Handys, keiner hat sich unterhalten. Sechs Menschen, die eigentlich etwas ausdiskutieren könnten, aber alle sind nur mit der Außenwelt beschäftigt. Ich finde, man muss sich immer wieder ermahnen im Hier und Jetzt zu sein.

nordbuzz: Ein großes Thema spielt auf Ihrem Album auch die Liebe: Kämpfen für die Liebe, enttäuschte Liebe, das Zelebrieren der Liebe ...

Schweighöfer: Naja, darum geht es halt im Leben, das ist ein allgegenwärtiges Thema. Gibt es Tage, an denen Sie nicht einmal über die Liebe nachdenken? Das habe ich mich neulich gefragt, und ich glaube, die Antwort lautet Nein. Man denkt doch jeden Tag an die Liebe. Oder man fühlt sich einsam. Oder beschäftigt sich mit zwischenmenschlicher Wärme, was ja auch wieder Liebe ist. Liebe und Wärme ist das, was uns noch verbindet.

„Die Sehnsucht, die in dem Album steckt, die Wünsche und Träume, die Kraft, das bin schon ich“

nordbuzz: Normalerweise geben Sie von Ihrem Privatleben nicht viel preis. Wie nahe kommen wir Matthias Schweighöfer auf Ihrem Album?

Schweighöfer: Näher als je zuvor. Vieles ist wirklich autobiografisch aus meinen Leben. Es war mir wichtig, dass mein erstes Album ehrlich und nicht erfunden ist. Die Sehnsucht, die in dem Album steckt, die Wünsche und Träume, die Kraft, das bin schon ich.

nordbuzz: Das nächste Mal auf dem Bildschirm zu sehen sind Sie ab 17.3. in „You Are Wanted“, der ersten Amazon-Serie aus Deutschland. Welche Erwartungen stellen Sie an dieses Projekt?

Schweighöfer: Gar keine, um für mich selbst den Druck aus der ganzen Sache rauszunehmen. Das war schon ein Experiment. Ich hatte trotzdem einen internationalen Anspruch und habe versucht, die Serie gut aussehen zu lassen und interessant zu gestalten - damit die Leute nicht gleich „Transparent“ anklicken, sondern „You Are Wanted“ eine Chance geben.

nordbuzz: In der Serie werden Sie zum Opfer eines Hacker-Angriffs, bei dem Ihre Identität umgeschrieben wird. Warum hat die Serie Sie gereizt?

Schweighöfer: Weil dieses Thema so gut in die Zeit passt. Was passiert, wenn ein Hacker dein Leben verändern will und was könnte man eigentlich ausrichten? So etwas passiert ja tatsächlich schon längst. Und ich behaupte mal, ganz viel kriegen wir noch nicht mal mit. Da sind wir außen vor.

nordbuzz: Macht Ihnen das Angst, als Vater von zwei kleinen Kindern?

Schweighöfer: Schon. Zurzeit ist ja sowieso alles sehr wackelig. Ich bin mal gespannt, was die nächsten Jahre so abgeht. Wenn ich überlege, was inzwischen alles auf dem Internet und Computern basiert. Stellen Sie sich mal vor, ihre iTunes-Bibliothek stürzt ab, und Sie haben kein Backup. Oder ihre Fotos. Dann war's das, das ist total krass. Wenn dann noch der Strom weg ist, hilft nicht mal mehr ein Backup.

nordbuzz: Und ohne Strom könnten wir auch Ihr Album nicht hören. Kürzlich sind Sie damit beim deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contests aufgetreten. Hätten Sie nicht Lust, nächstes Jahr für Deutschland anzutreten?

Schweighöfer: Das ist mir zu heikel. Das wäre so, als würde ich einer Horde Kritiker einen Kinofilm zeigen, den ich das erste Mal teste, und lasse sie dann über meine Zukunft entscheiden. Das würde ich nicht machen.

nordbuzz: Haben Sie eigentlich Lampenfieber?

Schweighöfer: Ich bin total nervös, wenn ich auf die Bühne gehe. Aber es macht auch Spaß, weil meine Band so stark ist. Wir planen gerade eine Tour - da freue ich mich schon drauf.

tsch

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