Der #Traveler und das Gras

Neues Marsimoto-Album „Verde“: Der #Traveler und das Gras

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Marsimoto lässt auch auf dem neuen Album „Verde“ grünliche Rauchzeichen aufsteigen.

Marsimoto reist mit „Verde“ um die Welt und verteidigt bekifft die Rechte von Hühnern.

Marsimoto auf Tour: Alle Termine hier!

Elon Musk hat einen Tesla ins All geschossen. Wenn für ihn alles gut läuft, dann schießt er sich und seine Silicon Valley-Freunde in den nächsten Jahren hinterher. Das ist super für sie, eine Experience, Wow, oh my God! Aber es ist schlecht für das All als großen Sehnsuchtsort in der Pop-Musik. Zum Glück ist es noch nicht so weit, sonst wäre Marsimotos neues Album „Verde“ ja doch nur halb so spannend. Marsimoto ist einer, der kifft, der die Schwachen verteidigt, der nach oben disst, nicht nach unten. Er ist sich seiner Rebellen-Rolle bewusst, und manchmal wirkt er arrogant. Er ist ein Antiheld und außerdem das Hirngespinst und Experimentierfeld von Rapper Marteria. Seit 2006 erscheinen im Wechsel Alben von ihm und seinem mit hochgepitchter Heliumstimme rappendem Alien-Kumpel.

Marsimoto ist immer noch grün. Marsimoto kifft immer noch so viel, wie ein Teenager, der irgendjemandem irgendwas beweisen will. Was, das weiß er auch nicht, aber er fliegt „mit Aladin dorthin, wo man sich gern hat“. Alles ist beim Alten geblieben, nur seine Sozialphobie scheint er abgelegt zu haben. Casper, Trettmann und Audio88 waren in der Marsi-Höhle high, haben sich Fantasienamen wie „The Friendly Ghost“ gegeben und das Album bereichert. Durch ihre Parts, klar, vor allem aber durch ihre Stimmen. Sie bringen Variation in das hochgepitchte Wirrwarr.

Die Wortspiele sind auch auf „Verde“ spannend geblieben, und außerdem versetzt sich Marsimoto in die Rolle eines Huhns. Ja wirklich, denn dann gibt's Revolution und „Chicken Terror“, weil keiner mehr den guten Geist des Federviehs erkennt, sondern es nur noch um Fleisch, Fleisch, Fleisch geht. Und um ein paar dicke Eier. Auf jenen Dicke-Eier-Rap, der in Deutschland gerade dominiert, verzichtet Marsi - und auch auf die drolligen Karibik-Rhythmen. Das lässt sein Album im Vergleich zur Konkurrenz ziemlich innovativ wirken, obwohl diese Innovation auf den zweiten Blick doch nur Schein ist.

Eigentlich ist Marsimoto nämlich so ein Typ, der „#Traveler“ in seiner Instagram-Biografie stehen hat und einen dann bekifft auf einer Hängematte in Thailand liegend mit furchtbar tiefgründigem Zeug vollquatscht. So lange man selber high ist, eingelullt von den seidig-schönen Synthsouds, die sich durch die Lücken zwischen den Bässen schlängeln, ist das ganz wunderbar. Doch wenn der letzte Ton verklingt, dann kommt die Erkenntnis: Ein ziemlicher Poser ist er, der Marsi. Ein benebelter Amateur-Philosoph, der seiner Go-Pro-Kamera huldigt. Es sei ihm verziehen.

teleschau

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