Die mondänen 60er-Jahre

Marc Almond spielt Songs mit Orchester ein: „Shadows And Reflections“

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Marc Almond, der 1981 mit „Tainted Love“ von Soft Cell einen Welthit hatte, wurde im Juli 2017 60 Jahre alt. Seine markante Stimme erkennt man immer noch wieder, wie man auf dem schönen 60er-Jahre-Coveralbum „Shadows And Reflections“ hören kann.

60er-Jahre-Fan Marc Almond gedenkt mit seinem opulenten Orchesteralbum den Liebesliedern aus jenen Jahren, als sich Pop psychedelisch, aber auch frei anhörte.

Die Liebe zu den mondänen 60-ern begleitete die gesamte Karriere Marc Almonds. Bereits sein erster großer Hit, „Tainted Love“ (1981) von Soft Cell, war eine Coverversion. Gloria Jones hatte das Lied 1965 zum ersten Mal aufgenommen. Es war die Zeit, als modische Männer noch mit kurz geschnittenem Pony herumliefen und große Sonnenbrillen trugen, die wie Facettenaugen von Insekten wirkten. Nun hat Almond, der im Juli 60 Jahre alt wurde, mit „Shadows And Reflections“ ein gesamtes Album mit nicht übermäßig bekannten Hits und Liebesliedern aus den späten 60er-Jahren aufgenommen. Schön, dass es sich der hierzulande nur noch älteren Musikfans geläufige Sänger aus der Nähe von Liverpool leisten kann, diese Lieder stilecht mit üppigem - und durchaus anspruchsvoll agierendem - Orchester einzuspielen.

Nicht jeder mochte Anfang der 80-er die etwas theatralische Stimme Marc Almonds, dem man auch heute noch ein gewisses leidendes Drama bei der Interpretation seiner Stücke attestieren kann. Doch Geschmack hin oder her, Almonds expressiver Gesangsstil passt wunderbar zu einer Ära im Pop, die von „orchestraler und barocker Stimmungsmusik“ geprägt war, wie es Almond selbst formuliert. Und in der sicher nicht ganz zufällig einige der bis heute am meisten gefeierten Soundtracks der Kinogeschichte entstanden.

Von Komponisten wie Ennio Morricone oder auch Burt Bacharach, der ebenfalls Musik für Filme schrieb, ist das Album „Shadows And Reflections“ inspiriert. Almond hat darauf einige seiner Lieblingslieder von damals auf klassische Art neu arrangiert und eingespielt. Weil wundersam schöne Werke wie „How Can I Be Sure“ von The Young Rascals, das auch durch David Cassidy bekannt wurde, oder „From The Underworld“ von The Herd heutigen Musikfans nur noch wenig sagen werden, macht es nichts, dass die Stücke fast genau so klingen, als hätte man sie zwischen 1965 und 1969 auf Platte gepresst.

Ebenfalls empfehlenswert: der psychedelisch-schwermütige Song „Still I'm Sad“, im Original von The Yardbirds, das Proto-Funk-mäßig groovende Stück „I Know You Love Me Not“ von Julie Driscoll oder der mit barockem Spinett orchestrierte Titelsong „Shadows And Reflections“ von der Mod-Band The Action. Selbstredend darf auch Burt Bacharach nicht fehlen. Jener Mann, der mit seiner Kunstfertigkeit zwischen Melancholie und großer, leichter Songeleganz diese Zeit vielleicht so gut und bleibend interpretierte wie kaum ein anderer. „Blue On Blue“ ist der weltenvergessene Liebesschmerz-Song aus Bacharachs großmeisterlichem Erbe, für den sich Almond hier entschieden hat. Er sang ihn bereits mit Bacharach selbst auf der Bühne. Wahrscheinlich könnte Marc Almond noch Volume 2, 3, 4 oder 5 dieses Albums aufnehmen - was auch im Sinne des Hörers keine schlechte Idee wäre.

teleschau

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