Basia Bulat

Liebevolle Handarbeit

Die kanadische Singer/Songwriterin Basia Bulat erarbeitete sich im Lauf der Jahre eine treue kleine Fangemeinde. Wer mehr wissen will: Auch auf dem neuen Album „Are You In Love?“ zeigt Bulat wieder ihr ganzes Können.
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Die kanadische Singer/Songwriterin Basia Bulat erarbeitete sich im Lauf der Jahre eine treue kleine Fangemeinde. Wer mehr wissen will: Auch auf dem neuen Album „Are You In Love?“ zeigt Bulat wieder ihr ganzes Können.

Ihr Name klingt etwas sperrig, ihre Melodien sind das Gegenteil: Die kanadische Singer/Songwriterin Basia Bulat fragt auf ihrem neuen Album nach Liebe und präsentiert dazu handgemachte Klänge zwischen Melancholie und Leichtfüßigkeit.

Über die kanadische Singer/Songwriterin Basia Bulat ist eine Anekdote bekannt, die erklärt, wie prägend Musikerfahrungen aus der Kindheit sein können: „Ich glaube, ich habe erst mit elf oder zwölf Jahren herausgefunden, dass es mehr als einen Radiosender gibt“, erklärte die Tochter einer Musiklehrerin einmal. Die Mutter bevorzugte einen Sender mit Oldies - man hörte die Beatles, die Beach Boys und Sam Cooke. Auch der fünfte Langspieler von Basia Bulat, „Are You In Love?“, klingt nach Musik aus früheren Tagen. Im ersten Moment könnte man die Platte in die Folk-Schublade stecken, doch bei genauem Hinhören gibt es sehr viel mehr zu entdecken.

Während in Songs wie „Already Forgiven“ die Joan-Baez-Alben der 70er-Jahre nachhallen und die Fingerpicking-Gitarre in „Fables“ musikalische Handarbeit dokumentiert, erinnert der Opener und Titelsong „Are You In Love?“ mit seinem hochdramatischen Soul-Feeling an Amy Winehouse in ihren besten Zeiten. „Was it all just a trick, played by chemistry?“, fragt Bulat, während traurige Streicher den Song mit einem ganz eigenwilligen Pathos zwischen Beerdigung und Schunkelei versehen. Das ist dann doch etwas anderes als klassischer Folk. Gleiches gilt für das flotte Stück „Your Girl“, das für Bulats Verhältnisse geradezu euphorisch klingt - mal abgesehen vom besungenen Kummer über ein gebrochenes Versprechen. Mit sphärischen Oldschool-Synthie-Klängen macht die Ballade „Light Years“ auf sich aufmerksam. Der leichtfüßige Song „Hall Of Mirrors“ und das stimmungsvolle Ohrenkino „Pale Blue“ sorgen ebenfalls für Abwechslung.

Bisweilen wird es auf „Are You In Love?“ auch mal rockig. Beispielsweise in dem Lied „Homesick“, das mit Akustikgitarre beginnt, bevor die Band und auch Bulats Stimme eskalieren. Hier klingt die Kanadierin dann ein wenig wie Janis Joplins brave kleine Schwester, die sich ihre Stimme und Seele noch nicht mit Alkohol, Drogen und Zigaretten wundgeschmirgelt hat. Auch Songs wie „No Control“ und „The Last Time“ drehen die folkige Grundstimmung in Richtung Rock.

Das Spiel mit der Dynamik - von sanften minimalistischen Klängen hin zur vollen Band-Besetzung, die lautstark die stimmlichen Qualitäten von Basia Bulat unterstreicht - ist eine große Stärke der Arrangements. Am imposantesten zeigt sich das beim letzten Stück. „Love Is At The End Of The World“ tarnt sich zunächst als poppige Ballade und schwillt dann an zu einer Reminiszenz an die Ära der Rock-Opern, wenn E-Gitarren und Gesangslinien um die Wette dramatisieren. Das Drama ist durchaus authentisch: Die Arbeit an dem Album wurde zweimal monatelang unsanft ausgebremst - durch den Tod von Basia Bulats Vater und durch das Ende einer Beziehung. Jim James von My Morning Jacket half Bulat als Produzent dabei, die Scherben zu etwas Neuem zusammenzusetzen.

„Are You In Love?“ ist kein Album, bei dem ein Ohrwurm auf den nächsten folgt. Auch für Radiosender, die nur Hits spielen, ist keiner der Tracks geeignet. Wer sich dagegen gerne mal die Zeit nimmt, ein Album durch mehrmaliges Hören in seiner Gesamtheit zu erleben, wird hier definitiv belohnt.

teleschau

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