Am Ende macht sie es selbst

ESC-Sängerin Levina veröffentlicht Debüt-Album „Unexpected“

Levina - Unexpected

Sie ist die deutsche Hoffnung für den Eurovision Song Contest 2017: Isabella Levina Lueen. Zwei Wochen vor dem Mega-Event in der Ukraine bringt die Newcomerin ihr Album „Unexpected“ heraus.

Was für ein Triumph für Newcomerin Levina: Sie überzeugte beim deutschen Eurovision-Song-Contest-Vorentscheid am 9. Februar dermaßen, dass sie als einzige im Finale stand. Das Publikum hatte nur noch zu entscheiden, welcher ihrer beiden Songs zum ESC darf: „Wildfire“ oder „Perfect Life“. Am Ende setzt sich Letzterer durch. Natürlich finden sich beide Titel auch auf „Unexpected“ wieder, dem Debütalbum der 25-Jährigen, das nun zwei Wochen vor dem europäischen Pomp-Event (am Samstag, 13. Mai, live im Ersten) erscheint.

Vor dem ESC kannte so gut wie niemand die gebürtige Bonnerin Isabella Levina Lueen, die seit Jahren in London lebt und sich von dort einfach mal online für den Vorentscheid bewarb. Von Null auf Hundert, von kleinen britischen Bühnen auf die größte Event-Bühne Europas. Da dachten sich die Produzenten des Debüts wohl: Diese junge Dame muss erst mal ausgebremst werden! Denn in vielen Songs wirkt ihr potenzielles Alleinstellungsmerkmal, eine rauchig-schöne Stimme, doch sehr geglättet, immer wieder geht sie zwischen den poppigen Beats unter.

Eigenheiten wurden nur selten und wenn dann nur dezent herausgearbeitet. Trotz zweifellos vorhandenem Talent liegt das Hauptaugenmerk der Produktion auf lockeren Rhythmen und Beats. „Unexpected“ bietet Popsongs an, die allzu leicht ins Ohr gehen. Jedoch rettet Levinas ausdrucksstarke und besondere Stimme das Werk vor der totalen Mittelmäßigkeit. Gerade jene Songs, in denen sich die Sängerin textlich und musikalisch selbst einbringen durfte, überzeugen durchaus.

Deutlich wird dies etwa bei „Stop Right There“, wo sie sich selbst beschreibt: „So tall, a bit too blond / Shouldn't care what they say about me / Walk fast, talk to low / Unlike anyone around here.“ Ein weiterer starker Track des Albums stammt komplett aus Levinas Feder: „Nothing At All“ setzt sich musikalisch durch klare elektronische Beats ab. Das volle Organ der Gesangs- und Kompositions-Studentin kommt zur Geltung. Im Gros des Albums wird allerdings lieber etablierten Namen das Vertrauen geschenkt. Neben den Schreibern der beiden ESC-Songs Marit Larsen („Wildfire“) und Lindy Robbins („Perfect Life“) tummeln sich auf der Platte Abräumer wie Stefan Örn (ESC-2011-Sieger „Running Scared“ von Ell & Nikki) oder auch Roland Spremberg (Unheilig, Roger Cicero).

Aktuell liegt das Hauptaugenmerk der Entscheider noch deutlich auf dem ESC, das Album entstand als Nebenprodukt, um die Pressemaschine anzukurbeln. Ist das Event erst mal vorüber und die sympathische Blondine kehrt aus Kiew nicht ganz so enttäuscht zurück wie in den Vorjahren die punktlosen Ann Sophie (2015) und Jamie-Lee (2016), dann wird es sich zeigen: Popkarriere oder zurück an die Uni? Mit einer zweiten Single, am besten aus Levinas Feder, könnte die Sache durchaus Fahrt aufnehmen. Kandidaten dafür stünden auf „Unexpected“ bereit.

tsch

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