Wolfmother: Victorious

Leichte Beute

Wolfmother - Victorious

Die Legende vom Lockenkopf: Mit "Victorious" schiebt Andrew Stockdale seine Wolfmother zurück in den Schoß der Plattengiganten.

Der Wolf ist ein Rudeltier. Die Mutter des Wolfes ist es nicht. Denn hinter Wolfmother steht vor allem einer: Andrew Stockdale. Der mutete seinen Fans in den letzten Jahren einiges zu. Bandauflösung, Soloalbum, und schließlich "New Crown" (2014), eine Veröffentlichung, von der einige nichts mitbekamen. Aus gutem Grund: Das Album tauchte plötzlich auf. Wie der Wolf im Dunkel. Ohne Plattenfirma. Ohne Marketing. Nur als Download. Mit "Victorious" nun wird alles wieder gut. Major-Label, breit gestreute Pressemitteilungen, eine Vorab-Single mit zugehörigem Video. Der Wolf traut sich wieder in die Großstadt.

"Wir wollten zurück zu diesem großen Sound", wird Stockdale zitiert. Wir? Unmittelbar fragt man sich, wen der Frontmann denn mit einschließt. Vielleicht den Grammy-Gewinner Brendan O' Brien (Pearl Jam, AC/DC, Bruce Springsteen), der diesmal als Produzent fungierte und dem Album ein Klanggewand verpasst, welches so ziemlich das Gegenteil von "New Crown" darstellt. Oder die beiden Schlagzeug-Asse Josh Freese (Nine Inch Nails, A Perfect Circle) und Joey Waronker (REM, Beck), welche sich Stockdale ins Haus holte. Gitarre und Bass hingegen spielte er selbst ein. Wer braucht schon eine Band?

Das Wir-Gefühl in der Fanschar jedenfalls stellt sich schnell wieder ein. "So many problems, you don't know where to start ...", singt Stockdale. Dabei klingt der Opener "The Love That You Give" nach allem, nur nicht nach Problemen. Spritzig, kalkuliert verschwurbelt, gitarrenbetont. Im zweiten Song, der erwähnten Single "Victorious" gesellt sich ein ansteckender Refrain hinzu. Hits haben Wolfmother immer schon schreiben können. Zur Bestätigung wird in die Hände geklatscht und das folgende "Baroness" extra poppig serviert. Und es schmeckt, schließlich hat das Fundament, das Stockdale und Wolfmother vor zehn Jahren den Trendspottern hinlegten, bis heute Bestand: 70er-Retro-Rock mit Anleihen von Black Sabbath und Led Zeppelin, Classic Rock und etwas blumiger Unbeschwertheit.

Auch wenn es paradox anmutet: Mit "Victorious" meldet sich ein Original der 70er-Nachbildungswelle eindrucksvoll zurück. Wenn der "Gypsy Caravan" exakt so durch die Gehörgänge fährt, wie es sein Name vermuten lässt und "Simple Life" zu, nun ja, simplen Nackenbewegungen animiert, ist die Wolfmother-Welt wieder in Ordnung. Nur das Akustik-Popfolk-Häppchen "Pretty Peggy" hätte man sich sparen können. Aber gut. Das passiert in den besten Wolfsrudeln mal.

Wolfmother auf Tournee:

22.04.2016, Köln, Palladium

23.04.2016, Wiesbaden, Kulturzentrum Schlachthof e.V.

01.05.2016, Hamburg, Große Freiheit 36

02.05.2016, Berlin, Columbiahalle

10.05.2016, München, Kesselhaus

Bewertung überzeugend
CD-Titel Victorious
Bandname/Interpret Wolfmother
Genre Stoner Rock
Erhältlich ab 19.02.2016
Label Universal Records/UMI
Vertrieb Universal Music

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