Eko Fresh: Freezy

Legende ohne Richtung

Eko Fresh - Freezy

Irgendwie fällt es schwer, Eko Fresh als deutsche Rap-Legende wahrzunehmen. Seine Karriere verläuft seit 15 Jahren im ständigen Zickzack. Auch "Freezy" vermag es nicht, ein deutliches Bild vom Kölner zu zeichnen.

Es sind tatsächlich schon 15 Jahre, Eko Fresh blickt auf 15 Jahre im "Rap Game" zurück. 2001 war es, als der damalige Kool-Savas-Schützling mit "Jetzt kommen wir auf die Sachen" eine zugegeben großartige Debüt-EP vorlegte. Für ähnliche Jubelsprünge sorgte er künstlerisch danach nur noch selten. Trotzdem: Der Kölner hielt sich im Geschäft, fand nach der einen oder anderen Verwirrung und unzähligen Versuchen in unterschiedlichen, möglichst gewinnbringenden Rapformen immer wieder in die Spur. Dass er sich deshalb selbst bereits als Legende sieht, als Ghetto-Legende gar - geschenkt. So feiert sich Eko Fresh diesmal auf "Freezy" vorrangig selbst. Viel Platz für mehr bleibt da nicht.

Da wird man doch mal ganz kühn fragen dürfen: Woraus speist Eko Fresh dieses Ego eigentlich? "Willkommen in meiner Welt" könnte oder soll sogar darauf eine Antwort geben. "Ich bin kein reicher Mann, nur ein armer Mann mit Geld" steigt er ein auf einem trocken schnalzenden G-Funk-Beat. Vertrauen habe man nicht zu erwarten im harten Ghetto, etwa in Köln-Kalk, dort wo Ekrem Bora 1983 zur Welt kam. Aber er hat es eben trotzdem geschafft. Vom nichtsnutzigen Kiffer zu einem Geschäftsmann mit Lebensplan und Modelfreundin: "Es ist immer noch beim Alten, Freezy ist am Flow'n / Aber heut' sitz' ich im Anzug und deale um Million'".

Ja, bei all den Straßen- und Gangsta-Rappern, die sich Woche für Woche um die Spitze der Albumcharts streiten, hat man eine solche "From Rags To Riches"-Story schon viel zu oft hören dürfen. Zudem dürften die biografischen Details aus Boras Jugend jedem Rap-Fan - nach 15 Jahren Karriere - längst kein Rätsel mehr sein. Immerhin belässt es Eko Fresh dabei, vermeidet - zumindest hier - ein schmieriges "Du kannst es auch schaffen, wenn du an dich glaubst". Doch auf seinem zwölften Langspieler dürfte ein 32-jähriger Mann doch etwas mehr beizutragen zu haben.

Das ist zumindest bei "Ich vermiss dich Brudi" mit Abzügen der Fall. Die erfreulich kitschlose Rap-Ballade über einen scheinbar schon länger einsitzenden alten Kollegen ist ein Hinhörer - die Geschichte an sich bleibt allerdings austauschbar. Der Song schafft es jedoch, den an dieser Stelle wegen seiner Lächerlichkeit nicht wiedergegebenen Refrain von "Mund auf ich komme" wieder zu verdrängen. Auch, dass der Deutschtürke in "Mach kein Politik" Kritikerliebling Haftbefehl all zu deutlich nachahmt, wiegt da nicht mehr gar so schwer. - Die Gangsta-Fraktion holt er mit "Puff Daddy" weitaus souveräner ab.

"Freezy" ist wie die ganze Karriere von Eko Fresh schwer als Ganzes zu betrachten und nachzuvollziehen. Zu lange hält er sich mit teils affigen Aufplusterungsversuchen auf. Seine wenigen Story-Tracks besitzen kaum Langanhaltendes. Dabei wäre es so leicht gewesen, sich endlich abzuheben, eine eigene Note zu finden und diese vielleicht auch mal konsequent einzuhalten. Hätte er sich etwa am Ton und der Ansprache, der vom Feuilleton durchaus positiv aufgenommenen ZDFneo-Serie "Blockbustaz" orientiert. Darin spielt Eko einen kiffenden Nichtsnutz - eben seine eigene Vergangenheit. Doch einzig "Ein Tag im Leben von Peter Hartz" blickt ähnlich augenzwinkernd doch mit der nötigen Ernsthaftigkeit auf das Leben auf der Straße, auf sich selbst. Das wäre ja vielleicht der Stoff, aus dem wirkliche Legenden gestrickt werden.

Eko Fresh auf Tournee:

05.10.2016, Stuttgart, Schräglage

06.10.2016, Heidelberg, Karlstorbahnhof

11.10.2016, Dortmund, FZW

12.10.2016, Frankfurt, Nachtleben

13.10.2016, Hamburg, Nochtspeicher

14.10.2016, Bremen, Tower

15.10.2016, Hannover, Faust

16.10.2016, Berlin, Bi Nuu

19.10.2016, München, Backstage

20.10.2016, Wien, Flex

21.10.2016, Dornbirn, Conrad Sohm

22.10.2016, Zug, Galvanik

28.10.2016, Münster, Skaters Palace

03.11.2016, Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

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