Katie Melua

Kuscheln für Fortgeschrittene

Unaufdringlich und dezent: Katie Melua punktet auch auf „Live In Concert“ mit ihrem charakteristischen Kuschelpop. Zwischendurch hört man aber auch mal Folk, Jazz, Country und Soul heraus.
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Unaufdringlich und dezent: Katie Melua punktet auch auf „Live In Concert“ mit ihrem charakteristischen Kuschelpop. Zwischendurch hört man aber auch mal Folk, Jazz, Country und Soul heraus.

Mit dem Doppel-Album „Live In Concert“ demonstriert Katie Melua einmal mehr ihre beachtliche musikalische Bandbreite, und sie hat mächtige Verbündete auf der Bühne: Neben ihrer Band begleitet sie auch der 17-köpfige Gori Women's Choir.

Auch wenn die Veröffentlichung in die Zeit kurz vor dem Fest fiel und das Stück „O Holy Night“ enthalten ist: Das Doppelalbum „Katie Melua - Live in Concert“ ist keine Weihnachtsplatte. Als Last-Minute-Weihnachtsgeschenk ist das Werk trotzdem bestens geeignet, denn die Standard-Version ist zugleich die Deluxe-Version: „Live in Concert“ ist physisch nur als edle Fotobuch-Edition erhältlich. Zwei CDs sind darin verpackt, ein ausführliches Vorwort der georgisch-britischen Künstlerin, Infos zu den Musikern und Stücken sowie vor allem Fotos. Letztere dokumentieren die Atmosphäre beim Konzert in der Central Westminster Hall in London, wo die Aufnahmen im Dezember 2018 entstanden.

Musikalisch geht es eher gemächlich zu. Katie Melua ist zwar bekannt für ihren Kuschelpop, doch in den handgemachten Arrangements und mit Unplugged-Sound zeigen ihre Songs ihr volles Potenzial und ergänzen die stilistische Bandbreite um Folk, Jazz, Country und Soul. Katie Melua singt nicht nur, sondern spielt auch Gitarre. Begleitet wird sie von Tim Harries am Bass, Mark Edwards an den Keyboads, Nicky Hustinx am Schlagzeug und ihrem Bruder Zurab Melua an der E-Gitarre.

Die Reduktion auf die subtile Begleitung bringt mit sich, dass die Aufmerksamkeit des Hörers vor allem auf Katie Meluas Stimme gelenkt wird, und die ist nicht jedermanns Sache. Charismatisch und speziell ist sie zweifellos, doch lädt alles Spezielle auch zur Kontroverse ein. Manche Kritiker stört der Akzent, welcher ihre georgischen Wurzeln auch in den englischsprachigen Songs verrät, oder sie wünschen sich mehr echtes, ungebändigtes Gefühl in ihrer Darbietung. Meluas Fans dagegen schätzen die kunstfertige Intonation der Sängerin, der es gelingt, auch in den leisen Tönen große Spannung zu erzeugen. Wobei sie diesmal gar nicht alleine singt und auch nicht immer leise: Für pompöse Verstärkung sorgt der 17-köpfige Gori Women's Choir, welcher viele Stücke mit einer geradezu epischen Wucht bereichert.

In der Ruhe liegt die Kraft

Während Pop-Alben üblicherweise mit dem vielversprechendsten Gassenhauer starten, geht Katie Melua den umgekehrten Weg und zeigt mit dem georgischen Lied „Tu Ase Turpa Ikavi“ Flagge. Das volkstümliche Stück wird wie ihre Eigenkomposition „Plane Song“ nur von ihrer Gitarre begleitet. Auch eine Unplugged-Version von „Diamonds Are Forever“ ist in dem Konzertmitschnitt enthalten. Mutig, sich mit Shirley Bassey zu messen, die 1971 das Original des James-Bond-Songs gesungen hatte. Während Bassey den Track pathethisch schmetterte, setzt Melua auf Schalldämpfer und Zurückhaltung, was einen ganz eigenen Reiz hat. Der jazzige Song „Belfast“, bei dem auch Meluas Band wieder zum Einsatz kommt, sorgt mit Orgel-Sound, E-Gitarre und Drums für Abwechslung - ebenso wie Meluas größter Hit „Nine Million Bicycles“ und das The-Cure-Cover „Just Like Heaven“, die im Konzertmitschnitt nach gechilltem Country klingen.

Der Gori Women's Choir arbeitet beim Joni-Mitchell-Cover „River“ noch dezent im Hintergrund mit, singt sich beim rumänischen Traditional „Cradle Song“ ein bisschen mehr in den Vordergrund und bekommt schließlich bei Sergei Rachmaninoffs „All-Night Vigil - Nune Dimittis“ und dem ukrainischen Volkslied „The Little Swallow“ die volle Aufmerksamkeit. In „O Holy Night“ fordert Katie Melua in einer Zeile auf: „Hear the angel voices“. Tatsächlich klingt der Damenchor hier fast engelsgleich.

Meluas elegisch-sphärischer Kuschelkurs wird nur an zwei Stellen unsanft unterbrochen: „The Flood“ klingt dramatisch, das Abschiedslied „Piece By Piece“ gar düster. Neben den vielen Eigenkompositionen drückt Melua auch Blacks „Wonderful Life“, Stings „Fields Of Gold“ und Louis Armstrongs „What A Wonderful World“ ihren eigenen Stempel auf. Kritiker könnten diesen akustischen Stempel vielleicht als allzu tiefenentspannt empfinden. Meluas Fans dagegen können kontern: In der Ruhe liegt die Kraft.

teleschau

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