Mint Mind

Ein Kurztrip durch die Rockgeschichte

Jenseits von Tocotronic: Rick McPhail (Mitte) demonstriert mit Mint Mind seine musikalische Vielfältigkeit.
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Jenseits von Tocotronic: Rick McPhail (Mitte) demonstriert mit Mint Mind seine musikalische Vielfältigkeit.

Dem breiten Publikum ist er vor allem als Tocotronic-Gitarrist bekannt, doch Rick McPhail kann noch viel mehr. Wie vielseitig er tatsächlich ist, zeigt er mit dem neuen Album seines Mint-Mind-Projekts.

Der ursprünglich aus Maine stammende und mittlerweile in Hamburg ansässige US-Musiker Rick McPhail ist das, was man gemeinhin einen Tausendsassa nennt. Er spielt nicht nur Gitarre, Keyboard und singt, sondern ist auch in einer Vielzahl von Bands aktiv: bei Glacier (Of Maine) etwa, Venus Vegas, Dishwater und Boy Division. Außerdem spielt McPhail bei Ex-Kraftwerker Karl Bartos und - last, but not least - Tocotronic. „Thoughtsicles“ ist nach „Near Mint“ von 2014 nun bereits die zweite Veröffentlichung seines Mint-Mind-Projekts, und darauf zollt er seinem musikalischen Facettenreichtum in jeglicher Hinsicht Tribut.

Auf den zehn Tracks der Platte schrammelt Rick McPhail sich mit seinen beiden Bandkollegen Tim Wenzlick (Schlagzeug) und Christian Klindworth (Gitarre) durch die komplette Bandbreite des (Indie-)Rock. Das hypnotisch-ausufernde Titelstück fräst sich nach und nach in den halluzinogenen Spielrausch von 60er- und 70-er-Bands wie The Doors, während der sehr knackige Opener „Alcoholicity“ in seiner Direkt- und Sloganhaftigkeit („Sometimes I hate what I love“) deutlich stärkere Bezüge zum Punk der 80-er aufweist.

Irgendwo zwischen The Doors und Nirvana

Überhaupt ploppen beim Durchlauf der Platte mit jedem neuen Song direkt die Albumcover anderer Acts vor dem inneren Auge auf, seien es die bereits erwähnten Doors oder Bands wie die Ramones (im Stück „A Road Best Traveled“), The Stooges („I Love A Good Queue“), Nirvana („Sleepyhead Pt. 1“) oder die Sex Pistols („The Hassle From The Man“). Die flirrenden Gitarren, die polternden Drums und der hallige Sound halten die Stücke dabei stets als Album zusammen und sorgen für den nötigen roten Faden.

Insgesamt laufen die einzelnen Songs locker und leicht verdaulich durch. Einzig die zwar saubere, aber vom Vibe her doch sehr Garage-artige Produktion bringt eine gewisse Schwere mit, die durchaus gut ins Januargrau am Anfang des Jahres passt, für die man aber in der richtigen Stimmung sein muss. Sollte das nicht der Fall sein, sägen die rasselnden Gitarren vielleicht schnell an den Nervensträngen. Dennoch: Wer Lust auf einen Kurztrip durch die Rockgeschichte hat und sich nicht durch die eigene Plattensammlung oder diverse Streamingdienst-Playlisten quälen möchte, der darf sein Ticket auch gerne am Mint-Mind-Schalter ziehen.

teleschau

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