Als Jim Pandzko

Kritik an Musikpreis Echo: Jan Böhmermann lässt Song von Schimpansen „komponieren“

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In der neuesten Ausgabe seiner Show „Neo Magazin Royale“ knöpft sich Jan Böhmermann die deutsche Plattenindustrie vor.

Der Satiriker Jan Böhmermann legt sich mit dem Musikpreis Echo und dessen Veranstalter an, der deutschen Plattenindustrie.

„Menschen“, „Leben“, „Tanzen“, „Welt“ - das sind vermutlich wirklich die häufigsten Schlagworte deutschsprachiger Poptexte. Und sie sind nur ein Teil von Jan Böhmermanns gut 20-minütiger Tirade gegen die deutsche Plattenindustrie. Den Clip dazu stellte der Moderator in der Nacht auf Donnerstag bei YouTube ein, pünktlich zur diesjährigen Echoverleihung am 6. April. Der Ausschnitt ist Teil der neuen Folge der Satireshow „Neo Magazin Royale“, die am Donnerstagabend, 22.15 Uhr, bei ZDFneo zu sehen ist.

Zu Beginn des Videos aus der Sendungs-Rubrik „Eier aus Stahl“ greift der 36-Jährige vor allem den für zwei Echos nominierten Max Giesinger an. Böhmermann klärt darüber auf, dass dieser seine Texte mithilfe von professionellen Songwritern schreibt und nicht etwa, wie öffentlich behauptet, alleine „mit einem Kumpel“. Zudem sei Giesinger, so der Showmaster, nur Teil des von der Plattenindustrie gesteuerten „Schlager-Revivals“, bei dem lediglich Gefühle abgeklappert werden und die Künstler sich „schön unpolitisch und abwaschbar“ geben sollen - eben so wie in der Blütezeit des Schlagergenres in der Nachkriegszeit, als man mit weichgespülter Musik versuchte, die Kriegsleiden vergessen zu machen.

„Bio-Musik aus industrieller Käfighaltung“ sei die deutsche Popmusik der letzten zehn Jahre, schimpft er, nichts anderes als „ein einziger gigantischer schmalziger Werbespot“ mit dem sich sehr viel Geld verdienen lasse. Tatsächlich werde sogar in Videoclips der Künstler Schleichwerbung betrieben. Anhand verschiedener Beispiele konnte Böhmermann die Behauptung schlüssig belegen. Ein neuer Coup des Moderators, der seit der „Schmähgedicht“-Affäre um den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über die deutschen Landesgrenzen hinaus bekannt ist.

Böhmermann wäre nicht Böhmermann, wenn er seine Kritik an dem „ewig gleichen Emotions-Echo-Gulasch der deutschen Musikindustrie“ am Ende des Clips nicht noch auf die Spitze treiben würde. So ließen der Komiker und seine Mitarbeiter im Gelsenkirchner Zoo Schimpansen einen neuen Song „komponieren“: Nach deren Auswahl von Früchten wurden angeheftete Text-Segmente zu einem Konglomerat aus Tweets, Kalendersprüchen und Werbeslogans aneinandergereiht.

Selbstredend präsentiert Böhmermann alias „Jim Pandzko“ das Ergebnis unter dem Titel „Menschen Leben Tanzen Welt“ in einem gefühlsduseligen Video. Das Ziel sei es, dass der Song nächstes Jahr für einen Echo nominiert werde und so die Gelsenkirchener Menschenaffen als Sieger des wichtigsten Musikpreises der deutschen Plattenindustrie hervorgehen würden. „Das ist eben das Blöde mit dem Echo: Wenn man was in den Wald reinruft, kann es sein, dass aus dem Wald fünf Affen herauskommen“, lautet Böhmermanns bissiges Schluss-Statement.

tsch

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