EAV

Jetzt hat der Spaß ein Ende

Genug ist genug: Nach 42 Jahren EAV machen Thomas Spitzer (links) und Klaus Eberhartinger der Sache ein Ende.
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Genug ist genug: Nach 42 Jahren EAV machen Thomas Spitzer (links) und Klaus Eberhartinger der Sache ein Ende.

Nach 42 Jahren und 1.600 Konzerten verabschiedete die EAV sich im September 2019 in Wien endgültig von ihrem Publikum. Der dreistündige Mitschnitt macht noch einmal deutlich, warum man diese Band so sehr vermissen wird.

Wer in den 1980-ern oder 1990-ern von der Pubertät in das Erwachsenenalter rutschte, der wird kaum an der Ersten Allgemeinen Verunsicherung aus der österreichischen Steiermark vorbeigekommen sein. „Ba-Ba-Banküberfall“, „Küss die Hand schöne Frau“ oder „Burli“: An die großen Hits der EAV erinnert man sich ganz sicher auch noch lange nach ihrem Ende, das ein umfangreicher Konzertmitschnitt nun endgültig besiegelt: „1000 Jahre EAV - Der Abschied“.

Die Eingebung für den eigenwilligen Bandnamen gab einst eine österreichische Versicherung namens Erste Allgemeine Versicherung (gegründet 1832, aufgelöst 1998). Abgesehen davon, dass die 1977 gegründete Band das Unternehmen überdauerte, zeigt sich darin auch, dass Provokation und Humor seit jeher zwei Grundpfeiler der Gruppe waren, in deren Zentrum vor allem Gitarrist/Produzent Thomas Spitzer und Sänger/Conférencier Klaus Eberhartinger standen. Obwohl Eberhartinger erst vier Jahre nach der Gründung zur EAV kam, galt er bis zuletzt als Gesicht und Stimme der weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannten Pop-Rock-Band, die nie mit ihren Überzeugungen hinter dem Berg hielt.

Was in den späten 1970-ern als anarchisches und linksliberales Musikrocktheater begann, kann nach über 1.600 Konzerten in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, Liechtenstein und Tschechien und über 10 Millionen verkauften Alben auf eine überaus erfolgreiche Karriere zurückblicken, die nach einer Abschiedstournee ihren ewigen Frieden finden möchte.

„300 PS an der Copacabana“

Schon 2018 erschien das letzte Studioalbum „Alles ist erlaubt“, danach folgte eine letzte Tour mit 93 Shows, viele davon ausverkauft. Das Finale wurde am 14. September 2019 in der Wiener Stadthalle mit über 12.000 Besuchern und einem dreistündigen Programm zelebriert, dessen Mitschnitt nun in verschiedenen Konfigurationen veröffentlicht wird. Es gibt eine 3-CD-Edition, außerdem eine Blu-ray-, eine DVD- und eine limitierte Buch-Edition, die mit 80 neu gestalteten Seiten von Mastermind Thomas Spitzer zahlreiche Zusatzinformationen zu allen Alben der vergangenen 42 Jahre enthält.

Natürlich sind Single-Hits wie „Küss die Hand schöne Frau“, „Ba-Ba-Banküberfall“, „Samurai“ oder „An der Copacabana“ enthalten, die live allerdings oft neu interpretiert und ausgeschmückt wurden. So erklingt hier dann neben dem „Retro-Medley“ oder dem „Teufel-Medley“ plötzlich auch die Song-Verschmelzung „300 PS an der Copacabana“. Bei allem Spaß, der auch in der einen oder anderen Ansage deutlich wird, überzeugt die Band auch bei ihrem letzten großen Auftritt mit präzisem Spiel, das von Eberhartingers pointierten Texten souverän akzentuiert wird. Ihr clever verpacktes Engagement gegen korrupte Politiker, soziale Missstände oder auch Rechtspopulismus kommt in Songs wie „Eierkopf-Rudi“ oder „Heimatlied Rechts 2,3“ auch live sehr deutlich zum Ausdruck. Hinter der EAV steckte eben schon immer weit mehr als bloß eine partytaugliche Band mit Mitsingmelodien. Am Ende sind es wahrscheinlich sogar die kritischen, beißenden Töne, die man am meisten vermissen wird.

teleschau

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