Of Monsters and Men

Jenseits der Charts

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In Island darf es gerne etwas mehr sein: Ähnlich wie ihre Landsfrau Björk verfolgen Of Monsters and Men auf ihrem neuen Album einen sehr fordernden und forschenden Ansatz.

Der Fluch des Über-Hits? Of Monsters and Men stürmten 2011 mit „Little Talks“ weltweit die Charts und konnten diesen Erfolg nie wiederholen. Die Songs auf dem dritten Album „Fever Dream“ wollen das vielleicht auch gar nicht.

Chartplatzierungen werden in Zeiten von Musik-Streamingdiensten immer unbedeutender. Es wird immer weniger Musik gekauft, und so braucht es für eine „Nummer eins“ heute auch viel weniger als noch vor zehn oder 20 Jahren. Umgekehrt: Was heute ganz oben steht, kann übermorgen schon wieder komplett aus den Charts verschwunden sein. Dafür kann man nach Belieben in unterschiedlichsten Playlisten stöbern, die mitunter auch mal über den eigenen Tellerrand hinausblicken. Solche Playlisten, sofern gut kuratiert, sind heute sicher eine große Chance für Of Monsters and Men, die isländische Band um das Frontduo Nanna Bryndis Hilmarsdóttir und Ragnar Thorhallsson (jeweils Gesang und Akustikgitarre).

Mit „Little Talks“ (2011) landeten Of Monsters and Men einst einen großen Charterfolg. „Fever Dream“, das neue Album, hat mit dem niedlichen Orchester-Folk ihres größten Hits nur noch wenig zu tun. Melancholischer und tanzbarer Elektropop mit der einen oder anderen E-Gitarre steht heute im Vordergrund. Ein Song wie „Vulture, Vulture“ hat in seiner aufpeitschenden Rhythmik immer noch Platz für einen eingängigen Refrain, und auch die erste Single „Alligator“ verstreut hinter dem wummernden Schlagzeug und den schmerzverzerrten Vocals von Hilmarsdóttir poppigen Feenstaub. Insgesamt ist der Sound von Of Monsters and Men jedoch deutlich komplexer und fordernder geworden. „Under A Dome“ etwa fällt auf mit dramatisch-verschleppter Melancholie und hallenden Gesängen - so düster klangen OMaM noch nie.

Produzent Rich Costey (Sigur Rós, Santigold, Biffy Clyro), der auch schon beim Vorgänger-Album („Beneath The Skin“, 2015) dabei war, hat es geschafft, die Band noch ein bisschen mehr in die kreativ-forschende Ecke zu steuern, ohne sie ihrer musikalischen Gutherzigkeit und ihres Pop-Appeals zu berauben. Of Monsters and Men sind trotz ihrer vermeintlichen Harmlosigkeit immer noch eine Band, deren Musik fasziniert und dazu einlädt, sich treiben zu lassen. Für diese Art des Musik-Genusses bietet „Fever Dream“ noch viel mehr packendes Material als frühere Werke der Band. Die schwebenden Synthesizer-Flächen und die einlullenden Gesänge von Frontfrau und Frontmann können auch ganz ohne Chartplatzierungen glücklich machen.

teleschau

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