Jeff Goldblum & The Mildred Snitzer Orchestra

Jeff für alle? Jazz für alle!

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Es gibt sie, diese hörbaren Momente, in denen alle lieben, was sie tun. Jeff Goldblum präsentiert ein liebenswertes Album mit The Mildred Snitzer Orchestra.

Kann man Augenzwinkern hören? Klar, wenn Jeff Goldblum es in Jazz verpackt.

Auf Jeff Goldblum können sich irgendwie alle einigen: Filmfans lieben ihn noch heute für seine Rollen im Horrorklassiker „Die Fliege“ (1986) oder den Blockbustern „Jurassic Park“ (1993) und „Thor: Ragnarok“ (2017). Fashion-Victims bewundern seine Auftritte als kauziges Mode-Meme bei Instagram, und Jazzfans lieben die Auftritte seiner Band im Musiklokal Rockwell in L.A. Waren Letztere bis vor Kurzem noch ein Geheimtipp, hat sich das seit Veröffentlichung seines Debütalbums „The Capitol Studios Sessions“ im vergangenen Jahr geändert. Nun legt er zusammen mit seinem Mildred Snitzer Orchestra direkt das zweite Werk vor. Und enttäuscht nicht: Auch auf „I Shouldn't Be Telling You This“ bringt er alle zusammen.

Das heißt keinesfalls, dass er dem Hörer einen allseits gefälligen Einheitsbrei serviert - ganz im Gegenteil: „I Shouldn't Be Telling You This“ ist kein radiotauglich angejazzter Pop, sondern ein echtes Jazz-Album, daran gibt es keine Minute lang Zweifel. Aber Goldblum und sein Orchester lassen dabei alle mitspielen und zeigen auf diese Weise nicht nur Jazzfans neue Seiten an alten Klassikern, sondern hoffentlich auch Anhängern der Gastsängerinnen, wie viel Spaß das oft als verkopft geltende Genre machen kann.

Mit von der Partie sind dabei die Singer-Songwriterin Sharon Van Etten, die den Opener „Let's Face The Music and Dance“ gleichermaßen geschmeidig und sinnlich singt, bevor Trompete und Wurlitzer ihr zeitweise die Show stehlen. Kollegin Inara George bringt ihre Vocals kühl und lässig verhaucht, wenn das Orchester gut gelaunt „The Sidewinder“ mit „The Beat Goes On“ kombiniert. Fiona Apple besticht in „Don't Worry Bout Me“ durch ein altmodisches Timbre, während die Musiker ihren raumgreifenden Gesang mit possierlichen Drums und smoothen Bläsern unterstützen. Interessant ist auch das Mash-Up des Jazz-Standards „Four On Six“ mit Marianne Faithfulls New-Wave-Song „Broken English“, in das Anna Calvi angemessen sperrig hineingrätscht.

Überraschende Gaststars

Die Indie-Sängerinnen sind allesamt eine ungewöhnliche, aber gute Wahl für ihre jeweiligen Songs, ebenso wie die einzige echte Jazzsängerin Gina Saputo, die dann in der kurzen Nummer „If I Knew Then“ auch standesgemäß obligato singt. Wirklich überraschend aber ist der Auftritt von Miley Cyrus in „The Thrill Is Gone/Django“: Zwar bringt sie eine durchaus ungewöhnliche Country-Note in den Gesang; dem Song aber schadet das nicht, und Miley Cyrus kann sich hier einmal befreit vom üblichen Popzirkus als versierte Sängerin beweisen. Die zweite Überraschung des Albums ist Jazz-Superstar Gregory Porter, der „Make Someone Happy“ schmalzbefreit zu schlichter Schönheit verhilft.

In den Gesangsnummern ebenso wie in den reinen Instrumentalstücken hat Hollywoodstar Goldblum kein Problem, seinen Kollegen das Rampenlicht zu überlassen: Im 60er-Jahre-Klassiker „The Kicker“ etwa, der in der Umsetzung des Mildred Snitzer Orchestra wirklich ordentlich kickt, unterstützt sein Piano nur im Hintergrund.

Seinen großen Moment hebt er sich für die letzte Nummer auf: Goldblum singt das Gutenachtlied „Little Man, You've Had A Busy Day“. Hier hört man ein gewaltiges Augenzwinkern ebenso mit wie eine große Wärme, was sicher auch damit zusammenhängt, dass der 67-Jährige erst vor vier Jahren zum ersten Mal Vater wurde. Diese Stimmung jedoch ist symptomatisch für das gesamte Album: Es ist durchweg hörbar, dass das Mildred Snitzer Orchestra Spaß hat und Spaß machen möchte mit seinen Nummern, sich gleichzeitig aber nie für billige Effekte auf Albernheiten einlässt. Hier scheinen alle zu lieben, was sie tun - und das macht das Album so liebenswert.

teleschau

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