Achtes Album

Achtung, Stolpergefahr? Incubus mit „8“

Incubus - 8

Die großen Tage von Incubus liegen nun schon weit in der Vergangenheit. Kann das achte Album eine Zeitwende einläuten?

Vor ziemlich genau 20 Jahren schufen Incubus mit ihrem zweiten Album „S.C.I.E.N.C.E.“ so etwas wie eine gezähmte Version von Faith No More, eine Art versöhnlichen Crossover - zu einer Zeit, als das Genre in seinen letzten Zuckungen lag. Dies minderte jedoch nicht die Erkenntnis, dass man mit dem Quintett um Frontmann Brandon Boyd zu rechnen hatte. Mit den nachfolgenden Alben „Make Yourself“ und „Morning View“ sammelte man zur Jahrtausendwende zu Recht ordentlich Platin ein. Incubus' Fähigkeit, kantigen Alternative-Rock und groovendes Pathos manchmal nur via verzückendem Wimpernschlag zu trennen, traf den damaligen Zeitgeist. Dieser ist heute ein anderer. Ihr achtes Album „8“ nimmt es mit ihm auf.

Nach dem Karriereüberblick mit dem wunderbaren „Monuments And Melodies“ erfolgte im Sommer 2011 mit „If Not Now, When?“ eine Zäsur: Incubus machten es sich in der Kuschelrock-Ecke bequem, auch wenn das hymnische Pathos der damaligen Kompositionen nicht selten gekonnt von bedachten Tempowechseln und experimentellen Einwürfen unterbrochen wurde. Trotzdem war die Luft irgendwie raus, dementsprechend still wurde es um die Kalifornier. Die vor zwei Jahren veröffentlichte EP „Trust Fall (Side A)“ ließ indes Hoffnung aufkeimen, denn der Weg zurück zu den wummernden Wurzeln konnte über eine Distanz von vier knackigen Songs vollauf überzeugen.

Ganz so einfach verhält es sich mit dem achten Opus der Truppe dann doch nicht. Zwar kommt auch hier der Faktor Rock nicht zu kurz, was der ordentlich eröffnende Clubrocker „No Fun“ beweist und die bereits veröffentlichten Singles - das punkige „Nimble Bastard“ und das episch-forsche „Glitterbomb“ - vermuten ließen. Doch das poppige Element auf „8“ hat so seine Tücken. Ein Song wie „Loneliest“ wird zwar auf großes Balladenkino getrimmt, doch wirken die Beats und Effekte von Zeitgeist-Lieferant Skrillex, der - neben Produzent Dave Sardy (Oasis, Jet, Spoon, ZZ Top, Slayer) - der Band im Studio zur Seite stand, wie ein harmloser Schnellentwurf. „Familiar Faces“ möchte unbedingt ins Radio, im Vergleich zu den altgedienten Single-Hits reicht es aber hier nur zur B-Seiten-Qualifikation.

Das instrumentale, synthetisierte „Make No Sound In The Digital Forest“ outet sich als Pro-Tools-Warmlauf-Routine am Morgen eines Aufnahmetages. Werden Pop und Rock doch noch ebenbürtig zusammengeführt, funktioniert das gut in „Love In A Time Of Surveillance“. Bei „Undefeated“ und dem finalen „Throw Out The Map“ ist das jedoch nur ein ambitioniertes Malen nach Zahlen, mehr nicht. Daher wird die „8“ wohl kein Meilenstein in Incubus' Diskografie werden, auch wenn Shouter Boyd hier wirklich gute Vokalarbeit leistet. Das erfahrene Händchen der Band für den großen Rock-Moment kommt jedoch nicht häufig genug zum Zug.

tsch

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