Shaggy

Immer noch „boom, boom, boombastic“?

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Der Mr. Lover Lover hat's noch immer drauf ... Ein wenig handzahmer ist Shaggy über die Jahre aber doch geworden.

Mr. Lover Lover ist wieder da: Acht Jahre nach seinem letzten Langspieler meldet sich Shaggy mit einem neuen Album zurück, und er hat nichts verlernt. Vielleicht hat er sogar ein bisschen dazugelernt.

Seit über einem Vierteljahrhundert ist dieser Mann unwiderstehlich. Zumindest scheint Shaggy selbst dieser Meinung zu sein. Zwar schlichen sich in seine Alben gelegentlich auch brave, gutgemeinte Liebesbekundungen an die Eine ein. Trotzdem: Selten wirkte ein Künstlername so passend wie bei bei Orville Richard Burrell - „to shag“ ist im Englischen eine vulgäre Bezeichnung für die Ausführung des Liebesakts. 2018 veröffentlichte Shaggy nach längerer Sendepause das gemeinsame Album mit dem anständigen Sting („44/876“), und nichts deutete darauf hin, dass die überbordende Libido, die Almighty Jah seinem Schützling bei Geburt vor 50 Jahren schenkte, versiegt sein könnte. Wie viel Lover Lover tatsächlich noch in Shaggy steckt, zeigt er jetzt mit „Wah Gwaan?!“, seinem insgesamt 13. Studioalbum und dem ersten Solowerk seit 2011.

„That thing is supernatural“, raunt Stacy Barthe im Refrain von „Supernatural“. Was dieses nie dagewesene „thing“ ist, das alles in den Schatten stellt, erschließt sich schnell. Shaggy scheint es sehr zu genießen, auch 2019 noch den gut bestückten Verführer zu geben, dem keine Frau wiederstehen kann. Darf man das 2019 überhaupt noch als reicher, mächtiger Mann gehobenen Alters? Man könnte sich erinnert fühlen an Donald Trumps „Locker Room Talk“, doch etwaige Zweifel am guten Geschmack zwinkert Shaggy mit dem ihm eigenen Charme und munteren Reggae-Pop-Beats schnell weg.

Bombastischer Ehemann

Und überhaupt: Ging es nicht schon in „Mr. Boombastic“ (1995) nur um einen selbstlosen Diener des weiblichen Geschlechts? Einen hoffnungslosen „ro ... mantic“? Um einen, der bereits nach ein bisschen Rückenstreicheln zu funktionieren hatte? Wenn etwas passiert, liegt die Schuld jedenfalls nicht (immer) bei Shaggy - schon 2000 beteuerte der Jamaikaner: „It Wasn't Me“. In „Make Up Sex“, einem der durchaus unterhaltsamen neuen Songs, verkündet Sängerin Nyanda nun gar, sie spiele nur mit dem armen Shaggy - extra Stress schieben und Streit provozieren, nur weil der Versöhnungssex so fantastisch ist.

Shaggy ist im Jahr 2019 natürlich immer noch der Geilste. Das Durchtriebene in ihm kommt auf „Wah Gwaan?!“ aber nur selten zum Vorschein, und wenn, dann wirkt es nur wie eine augenzwinkernde Reminiszenz an die alten, wahnsinnig erfolgreichen Tage. Neben diesem Fanservice ist es ihm vor allem wichtig, wiederholt den treuherzigen Ehemann zu geben. Schließlich heiratete der „Fantasic Lova“ 2014 seine langjährige Partnerin Rebecca. Nur sie wird wissen, wie viel „boom, boom, boombastic“ tatsächlich noch im guten alten Shaggy steckt.

teleschau

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