James Taylor

Ein Heiler für Amerika

Nach fünf Jahren Pause gibt es endlich wieder ein neues Album von der vielleicht tröstlichsten Stimme Amerikas. James Taylor, 72, singt einige der schönsten Jazz- und Musical-Standards.
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Nach fünf Jahren Pause gibt es endlich wieder ein neues Album von der vielleicht tröstlichsten Stimme Amerikas. James Taylor, 72, singt einige der schönsten Jazz- und Musical-Standards.

Dass James Taylor ein Liebling Amerikas ist, beweist die Tatsache, dass sein letztes, vor fünf Jahren erschienenes Werk sein erstes Nummer 1-Album in einer langen Karriere war. Jetzt interpretiert seine Samtstimme einige der großen Musical- und Jazz-Standards zu zwei perfekt perlenden Folk-Gitarren.

James Taylor, im März wird er 72 Jahre alt, besitzt viele Talente, die er in seine lange Karriere einbrachte. Zum einen ist er ein famoser Songwriter, außerdem ein empathisch witziger Geschichtenerzähler und auch ein feiner Folkgitarrist. Taylors größtes Talent ist jedoch seine einzigartige Stimme. Neben seinem Zeitgenossen Jackson Browne - mit dem er sich übrigens 2020 auf ausgedehnter Amerika-Tournee befindet - ist es die vielleicht beseelteste, wärmste unter den klassischen Songwritern Amerikas. Alles, was James Taylor zu gesungenen Worten formt, macht er auf magische Weise zu etwas Eigenem, aus dem stets eine Idee von persönlich Erlebtem, ja Verstandenen hevortropft - Weisheit auf Tonträgern oder im Strean sozusagen. An die Stimme und Worte James Taylors mag man sich anlehnen. Man will ihn zum Freund, Vater oder Großvater haben, weshalb Amerika diesen weisen, freundlichen Schlaks wohl so liebt.

Weil gute Beziehugen auf Gegenseitigkeit beruhen, gibt James Taylor auf seinem neuen Album „American Standard“ nun mal wieder etwas zurück. Beziehungsweise erinnert er seine politisch zerstrittenen Landsleute an deren große gemeinsame Tradition herausragender Musical- und Jazzstandards von Autoren wie Oscar Hammerstein, Richard Rodgers, Harold Arlen oder Henry Mancini. James Taylor und sein versierter Co-Gitrarrist John Pizzarelli versuchen sich auf dem neuen Werk an Stücken wie „Moon River“, „Pennys From Heaven“, „Teach Me Tonight“ oder „The Nearness Of You“. Das Besondere dabei ist: Wo einst Pianoklänge, klassische Jazz-Ensembles oder Orchester dominierten, brechen Taylor und Pizzarelli die Stücke auf ihren nackten Folk-Kern herunter, was nicht nur sehr schön und wunderbar unaufgeregt klingt, sondern auch die zeitlosen Texte noch einmal in neuem Glanz erstrahlen lässt.

Meister des angenehm Unaufgeregten

Dass James Taylor heute so im Reinen mit sich klingt, war früher keineswegs ausgemachte Sache, denn seine persönliche Geschichte war eine äußerst wechselvolle: 1968 war er der erste Musiker, dem ein Vertrag auf dem von den Beatles neu gegründeten Label „Apple Records“ angeboten wurde. Doch das Debüt floppte, und der Akademikersohn mit dem damals gewaltigen Drogenproblem kehrte in seine Heimat nach North Carolina zurück. Wenig später zog es ihn nach Los Angeles, wo er mit dem Zweitling „Sweet Baby James“ (mit dem gleichnamigen Song über seinen ersten, nach ihm benannten Neffen) seine Karriere als einer der renommiertesten Songwriter Amerikas begründete.

Es folgten eine Ehe mit Kollegin Carly Simon und unzählige Folk-Pop-Hits, die einem noch heute ob ihrer abgerundeten Perfektion das Herz aufgehen lassen: „Fire and Rain“, „Handy Man“ oder „Never Die Young“ zum Beispiel. Fünf Grammys gewann der vierfache Vater. Immer wieder engagierte er sich auch politisch gegen Menschenrechtsverletzungen oder die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten. Taylor Swift, mit der er schon gemeinsam auf der Bühne stand, erhielt ihren Vornamen nach ihm, denn ihre Eltern waren Fans. James Taylor singt auch schon mal die Nationalhymne bei großen, nationalen Sport Events. Kurz gesagt: Er ist eine der großen, mittlerweile alten und doch ewig jungen Stimmen des „guten“ Amerikas. Die 14 Titel und 45 Minuten auf „American Standard“ zeigen, dass er die Welt mit seiner Stimme immer noch beruhigen, heilen und ein Stück weit gerade rücken kann.

teleschau

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