Auch ohne Jane Fonda eine große Party

Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS?: Jazzbelle 1984/1988

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Sie haben nichts mit Jane Fonda oder Aerobic zu tun, dafür spielen Have You Ever Seen The Jane Fonda Aerobic VHS? aber großartigen Garage-Pop.

Das Garage-Pop-Trio Have You Ever Seen the Jane Fonda Aerobic VHS? hat einen komplizierten Namen, macht aber absolut unkomplizierte Musik. Auf ihrem zweiten Album „Jazzbelle 1984/1988“ schrammeln sich die Finnen durch Songs, die man sofort ins Herz schließt.

Manchmal trifft man Fremde, die einem sofort bekannt vorkommen. Irgendwas fühlt sich familiär an, und man baut gleich Vertrauen auf. Kurze Zeit später lacht man über die gleichen albernen Witze, und es ist klar: Das wird eine gute Freundschaft. Das finnische Trio mit dem unsäglichen Namen Have You Ever Seen the Jane Fonda Aerobic VHS? ist so eine Band, mit der man sofort bestens klarkommt. Beim Aufwärmprogramm für ihr zweites Album „Jazzbelle 1984/1988“ zogen sie sich zu Orgelklängen bereits grölend ihre „Magic Swimming Pants“. Da galt schon, was auch für den Rest des Albums gilt: Das ist der richtige Sound für eine lange Nacht.

Bunt, schick, auch ein bisschen trashig: So könnte diese lange Nacht aussehen, am Ende würde man vielleicht noch ziellos mit dem Fahrrad durch die Vorstadt fahren. Das Feeling dieser Musik erinnert auch ein wenig an Kim Wilde und ihre „Kids in America“. Jeder darf im Hintergrund mal mitgrölen, um die schrammeligen Gitarren und die schrullige Stimme von Sängerin Susanna Stemma-Sihvola zu unterstützen.

Launig geht es durch einen Haufen Songs im knackigen Drei-Minuten-Format, die man versteht und fühlt, selbst wenn man sie gerade das erste Mal im Ohr rauschen lässt. Alles ist ein bisschen Lo-Fi, alles ist ziemlich unperfekt, und dabei ist diese Platte so charmant, dass man am liebsten mit der Musik knutschen möchte, auch wenn sie nach Zigaretten und Alkohol schmeckt.

„Jazzbelle 1984/1988“ strotzt nur so vor Lust und Heiterkeit. Wenn die skandinavischen Indie-Pop-Kolleginnen von Those Dancing Days die Party um Mitternacht verlassen, werden Have You Ever Seen the Jane Fonda Aerobic VHS? gerade erst warm. Verschiedensten Synthie-Melodien zaubern 80er-Chic, an anderer Stelle wähnt man sich ein Jahrzehnt später bei den Riot Grrrls. Die meiste Zeit geht es laut zu. Nur gelegentlich zeigt Stemma-Sihvola, dass sie auch sanfter kann („Corazone“, „Period“). Mit einer popkulturellen Referenz zu „Modern Family“-Oberhaupt Phil Dunphy („What Would Phil Dunohy Do?“) finden HYESTJFAVHS? dann aber auch wieder den Weg ins neue Jahrtausend.

Das „Wann“ ist bei dieser Musik jedoch nebensächlich. Selbst ein absolut aus der Zeit gefallenes Akkordeon findet Platz auf dem Album („Teeth“), ohne irgendwie befremdlich zu wirken. Gegen Ende täuscht das kürzeste Stück, „Bambi Act“, noch einmal komplettes Freidrehen vor, ehe der Schlusssong dann doch noch einmal eine Schippe drauflegt und das ganze Können der finnischen Party-Punks zeigt. Druckvolle Bläser künden zunächst von großem Spaß, worauf Sängerin Stemma-Sihvola dann aber doch noch der Melancholie verfällt und die traurigsten Zeilen des Albums singt. „I can taste her on you“, heißt es da. Man setzt einen Punkt hinter eine glücklose Liebesgeschichte, ohne aber die vorangegangenen Freuden zu vergessen. Einen besseren Rausschmeißer hätte es nicht geben können.

teleschau

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