Nick Mason's Saucerful Of Secrets

Gut abgehangen

Der Pink-Floyd-Drummer hat eine neue Band - Nick Mason's Saucerful Of Secrets spielt Songs aus den Anfangsjahren der Briten.
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Der Pink-Floyd-Drummer hat eine neue Band - Nick Mason's Saucerful Of Secrets spielt Songs aus den Anfangsjahren der Briten.

Seit 2018 tourt Schlagzeuger Nick Mason mit neuer Band durch die Welt. Im Gepäck: selten gespielte Klassiker von Pink Floyd.

Als Nick Mason vor zwei Jahren in der Pariser Konzerthalle Olympia auf der Bühne stand, sagte er etwas, das man oft von Musikern hört: Er freue sich, endlich einmal in diesem legendären Club spielen zu dürfen. Meist sagen solche Dinge Bands, die endlich groß genug sind, um nicht mehr im örtlichen Jugendzentrum auftreten zu müssen. Bei Nick Mason aber war es umgekehrt: Die Band, mit der er ins Olympia gekommen war, war endlich klein genug, um hier spielen zu können. Denn Mason war nicht mit Pink Floyd angereist, also jener Band, bei der er seit 1965 am Schlagzeug saß und die seit den 70er-Jahren mit Vorliebe Fußballstadien und Arenen beschallte. Sondern mit Nick Mason's Saucerful Of Secrets, einer All-Star-Truppe, die es sich seit zwei Jahren zur Aufgabe macht, das musikalische Erbe aus den Anfangsjahren der Floyd zu bewahren.

„Live At The Roundhouse“ ist nun ein Mitschnitt eines der vielen Konzerte, die Saucerful Of Secrets in den vergangenen zwei Jahren gegeben haben. Aufgenommen wurde es im Mai 2019 an einem Ort, der nicht weniger mythenbehaftet ist als das Pariser Olympia: Im Londoner Roundhouse hatten Pink Floyd bereits 53 Jahre zuvor erstmals gespielt, noch bevor das Debütalbum der Band erschienen war.

Mason machte nie einen Hehl daraus, dass er jene Jahre vor „Dark Side Of The Moon“ (1973) mehr schätzt als die Phase seiner Band, in der ein Monsteralbum nach dem anderen veröffentlicht wurde. Weil er nie ein Fan war von Riesenkonzerten in Olympiastadien, und weil die Band in ihren Anfangsjahren noch genau das war: eine Band und keine Ansammlung einzelner Egos, die sich im Falle von Bassist Roger Waters und Sänger und Gitarrist David Gilmour irgendwann unerbittlich zu bekriegen begannen. 2016 hatte Mason ein Boxset kuratiert, das die Schaffensphase der Jahre 1965 bis 1972 nachzeichnet; irgendwann damals muss auch die Idee entstanden sein, dieses Material wieder auf die Bühne zu bringen.

Obskures und selten Gehörtes

Mason tat sich also zusammen mit Bassist Guy Pratt, der schon häufig mit Pink Floyd live gespielt hatte, mit Spandau-Ballet-Gitarrist Gary Kemp sowie mit dem Gitarristen Lee Harris und dem Keyboarder Dom Beken, und benannte seine neue Band nach dem zweiten Floyd-Album „A Saucerful Of Secrets“ (1968). Auf ihrer Tournee durch die eben nicht ganz so großen Hallen spielten sie ein paar häufig gehörte Klassiker wie „One Of These Days“ oder „Astronomy Domine“, vor allem aber selten bis gar nicht Gespieltes. „Obscured By Clouds“ vom gleichnamigen Soundtrack-Album etwa, oder „Bike“ vom Debütalbum „The Piper At The Gates Of Dawn“ (1967). Fast alle Stücke wurden behutsam modernisiert, klingen frisch und überhaupt nicht angestaubt.

Sogar Obskures wie das Stück „Fearless“, das man bislang eher als Füllmaterial betrachtet hat, das geschrieben wurde, um die „Meddle“-Platte vollzukriegen, bekommt hier eine ganz neue, eigene Berechtigung. Kemp und Pratt machen als Sänger ihre Sache überraschend gut. Auch, wenn man hier und da natürlich die Stimme eines David Gilmour oder eines Syd Barret schmerzlich vermisst.

Für Mason war es das erste Mal seit 2007, dass er auf der Bühne stand. Da gönnt man ihm, dass sein Schlagzeug manchmal etwas arg dominant in den Vordergrund gemischt wurde. Ansonsten ist der Mitschnitt technisch und klanglich perfekt, so wie man es von einer Pink-Floyd-Produktion erwartet. Auch der Konzertfilm, der dem 2-CD-Set beiliegt, ist sehenswert und erschöpft sich nicht nur im bloßen Abfilmen des Auftritts im Roundhouse. Immer wieder werden auch alte Archivaufnahmen aus jenen Tagen eingestreut, in denen noch Barrett bei Pink Floyd am Mikrofon stand; außerdem gibt es Interviews mit Mason und seinen neuen Bandkollegen.

Bleibt die Frage, was Nick Mason's Saucerful Of Secrets eigentlich ist: eine Tribute-Band? Eine Coverband? Er habe nicht noch eine „Australian Pink Floyd“-Show machen wollen, sagte Mason einmal in Anspielung auf die wohl erfolgreichste der vielen Coverbands, die weltweit das musikalische Erbe der Briten auf die Bühnen bringen. Was Mason und seine Kollegen hier abliefern, ist definitiv mehr als ein bloßes Nachspielen alter Lieder - es ist die überfällige Wiedergeburt ganz großer Musik.

teleschau

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