The Divine Comedy

Große Kunst zwischen Locher und Fotokopierer

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Neil Hannon ist der kreative Kopf hinter The Divine Comedy. Für das neue Album „Office Politics“ hat er sich ein ganz besonderes Setting ausgesucht: das Büro.

Die nordirische Band The Divine Comedy bringt ihren Kammerpop an den unspektakulärsten aller Orte: ins Büro. Und dort erschaffen sie doch etwas Magisches und die unterhaltsamste Arbeitsplatz-Kunst seit „The Office“.

Das Büro ist der Ort, wo die Romantik stirbt. Irgendwo zwischen Locher und Fotokopierer geht das letzte bisschen sexuelle Anziehungskraft verloren. Zwischen Aktenstapeln wird aus jedem strahlenden Ritter ein kurzärmlige Hemden tragender Stromberg. Und trotzdem haben die Nordiren von The Divine Comedy ein loses Konzeptalbum namens „Office Politics“ um diesen Ort der Toner und Excel-Tabellen gebaut. Mit dabei: eine ironische Hymne für Vordrängler, eine bittersüße Liebesgeschichte und eine Lounge-Dudelei über maschinellen Ersatz für Arbeitskräfte.

Die große Überraschung: The Divine Comedy reiben dem Hörer auf ihrem zwölften Album (sie sind schon seit 30 Jahren aktiv) die Routine ins Gesicht und machen sie interessant. Im Titelsong „Office Politics“ wird über die auffallend coolen Socken des Kollegen gesungen, während der Synthesizer in den Strophen wie ein störrischer Computer dudelt. Doch der Spagat zwischen Retro-Elektronik und Gitarrenstücken gelingt, sogar ein Akkordeon findet irgendwie seinen Weg in die Büroräume.

Einzigartige Büro-Romantik

Mit „The Synthesiser Service Centre Super Summer Sale“ heben The Divine Comedy die Digitalisierung auf die Meta-Ebene und programmieren einen piependen Song über Synthesizer. In „Infernal Machine“ wird das neue Stück Metall auf seine Funktionen hin untersucht, während sogar Zeit für ein Keyboard-Solo bleibt. Mit „The Life And Soul Of The Party“ gibt es einen Pseudo-Disco-Song über einen etwas zu selbstbewussten Partygänger - und ganz im Geiste des losen Konzeptes erinnert man sich dann auch noch an die schlimmsten Unternehmensweihnachtspartys.

Mit dem finalen Stück „When The Working Day Is Done“ präsentiert die Band den pragmatischsten Disney-Song, der nie in einem Film vorkam, und dann ist der Arbeitstag auch schon überstanden. Frontmann Neil Hannon beschreibt die tägliche Tragödie nie ohne den nötigen Witz, nimmt sich aber auch immer genug zurück, um genug Raum für die subtilen Spielereien in Synth- und Saitenform Platz zu lassen.

Das alles ist viel zu seltsam, um auch nur annähernd an die großen Erfolge der Band Ende der 90-er anzuschließen, aber wirr und wunderbar genug, um dem Büro endlich doch ein bisschen Romantik zurückzugeben. Dieser Mikrokosmos der hierarchischen Strukturen, in dem man sich nach oben buckelt und nach unten tritt, wird dechiffriert, neu zusammengeschrieben und mit Emotionen aufgeladen. Irgendwo zwischen Locher und Fotokopierer haben The Divine Comedy ein großes Stück Kunst gefunden.

teleschau

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