Katatonia

Der Glanz des Düsteren

Die schwarze Kleidung zeigt es: Bei Katatonia spielen nur richtig harte Kerle. Die schwedische Formation beherrscht aber auch die sanfteren Töne, wie sie auf ihrem neuen Album zeigt.
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Die schwarze Kleidung zeigt es: Bei Katatonia spielen nur richtig harte Kerle. Die schwedische Formation beherrscht aber auch die sanfteren Töne, wie sie auf ihrem neuen Album zeigt.

Der nächste Schritt: Mit „City Burials“ dehnen Katatonia ihr musikalisches Spielfeld weiter aus, ohne dabei an Wiedererkennungswert einzubüßen.

Katatonia sind nicht die einzige Band, die ursprünglich in den extrem harten Bereichen der Rockmusik startete, um dann herauszufinden, dass es im Bereich von Melodie und Melancholie noch viel mehr zu entdecken gibt. Paradise Lost, Opeth und Anathema etwa vollzogen eine ähnliche Entwicklung. Dennoch sind Katatonia einzigartig. Die seit 1991 existierende schwedische Formation um Jonas Renkse und Anders Nyström schaffte es bisher, mit jedem neuen Album ihr Spektrum zu erweitern, ohne den Eindruck eines musikalischen Fremdgehens zu erzeugen. „City Burials“ bildet da keine Ausnahme.

Nun gut, die vorab veröffentlichte erste Single-Auskopplung „Lacquer“ sorgte bei manchem Hörer doch für leichte Verwirrung. Eine sehr zurückgezogene Nummer, angereichert mit elektronischen Mitteln und von der Stimme des Frontmanns Renkse gänzlich unmetallisch angeführt. Quasi als Versöhnungsangebot schoben Katatonia einige Zeit später „Behind The Blood“ nach, geradlinig und riffbetont, und schon hing der Haussegen bei den traditioneller eingestellten Fans nicht mehr schief.

Mal anmutig, mal zupackend

Diese beiden Songs geben einen ersten Hinweis auf die enorme Spannweite von „City Burials“. Es ist ein Album, mit dem sich Katatonia nach einer längeren Pause - der exzellente Vorgänger „The Fall Of Hearts“ erschien 2016 - in voller Pracht zurückmelden und welches zum Großteil von Renkse geschrieben wurde. Gleichzeitig ist es die erste Platte mit dem neuen Gitarristen Roger Öjersson, dessen künstlerischer Beitrag innerhalb der Band enorm geschätzt wird.

In „The Winter Of Our Passing“ geht das Quintett etwas poppiger zur Sache, ohne ins Triviale abzugleiten. „City Glaciers“ schleppt sich schaurig-schön durch die menschenleeren Gassen, „Rein“ spielt mit Prog-Elementen, und „Vanishers“ klingt nach einem Regentag am Fenster. Im Refrain singt Renkse gemeinsam mit Gastsängerin Anni Bernhard von der Stockholmer Band Full Of Keys „Hey, we're dead“, leblos aber wirkt „City Burials“ zu keiner Zeit. Viele der Songs oder - wie sie in einer Presseinfo poetisch genannt werden - „trials of loss and ruin“ strahlen Ruhe aus, ohne phlegmatisch zu wirken. Die Dunkelheit wird umarmt, ihre Schönheit offengelegt. Katatonias elftes Studioalbum scheint hell wie Mondlicht über die karge Landschaft.

teleschau

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