Bombay Bicycle Club

Genug von der Indie-Disco

Mehr Elektronik, mehr Pop: Die Indie-Rocker Bombay Bicycle Club haben sich selbst dezent neu erfunden und an dem neuen Sound eine Menge Spaß.
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Mehr Elektronik, mehr Pop: Die Indie-Rocker Bombay Bicycle Club haben sich selbst dezent neu erfunden und an dem neuen Sound eine Menge Spaß.

Auf der Höhe ihres Erfolgs zogen Bombay Bicycle Club 2016 überraschend den Stecker, nun kehren die Londoner mit einem frischen Album zurück. Es ist ein echter Neustart.

Wenn Bands sich für unbestimmte Zeit in eine Pause verabschieden und dann doch recht bald wieder zurückkehren, ist meist das Geld ausgegangen. Aber, immerhin: Nachdem Bombay Bicycle Club 2016 unerwartet die Pausentaste gedrückt hatten, legen sie nun mit ihrem fünften Album „Everything Else Has Gone Wrong“ einen angenehm unkonventionellen Neustart hin - mit mehr elektronischen Elementen und ansteckender Spielfreude.

„I guess I've found my peace again, and yes, I've found my second wind ...“, heißt es im Titeltrack sehr bezeichnend. Denn lange war gar nicht klar, ob das Quartett aus London nach der angekündigten Auszeit überhaupt wieder zusammenfinden würde. Vorausgegangen war die Tour zum Vorgängeralbum „So Long, See You Tomorrow“, die für die Band unter anderem mit einer ausverkauften Show im Londoner Earl Court vor 20.000 Fans einen neuen Höhenflug bedeutet hatte. Aufhören, wenn's am schönsten ist - dieser Gedanke war einer der Gründe für die Pause 2016, und dass die Band sich in der Zwischenzeit die Köpfe freigepustet hat, zeigt dieses fünfte Album mit all seiner frischen Energie, den prägnanten Melodien und einer grundsätzlich fabelhaften Stimmung nur allzu deutlich.

Spielfreude und Aha-Momente

Die vier Indie-Musiker arbeiten und klingen nun deutlich elektronischer als früher. Man hört quantisierte Schlagzeugrhythmen, viel Synthesizer-Geplänkel und unzählige Electro-Pop-Klangflächen, was durchaus kein Makel ist. Nachdem sich auf ihrem letzten Album schon vereinzelte Weltmusik-Klänge fanden, war ohnehin klar, dass die Band um Jack Steadman nicht ewig die Indie-Disco mit den immer gleichen Gitarrenriffs beschallen möchte. Als für sich stehendes Album funktioniert „Everything Else Has Gone Wrong“ jedenfalls hervorragend, wenn man druckvolle, kantige Pop-Musik mit spielerischen Stil-Zitaten mag.

Von den jazzigen Bläsersätzen im Opener „Get Up“ bis hin zu den mantrahaften Gesangsschleifen im Schlusslied „Racing Stripes“, das nur mit einer eiernden 80er-Orgelmelodie ausgeschmückt wurde: Diese Platte klingt immer nach großer Spielfreude und nie nach dem Pflichtverständnis, jetzt doch langsam mal neue Musik aufnehmen zu müssen. „Is It Real“ und „I Can Hardly Speak“ sollten es sogar auf die Playlisten von BBC-Fans der ersten Stunde schaffen. Denn obwohl hier die verzerrte E-Gitarren-Ekstase ausbleibt, treiben die Songs ihre Melodien unbeirrt nach vorne. Bombay Bicycle Club sind also zurück, und sie zeigen, dass sie dem Popmusikmarkt noch einige schöne und originelle Aha-Momente hinzuzufügen haben.

teleschau

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