Video und Interview zur Single „An de Noordseeküste“

De fofftig Penns und Klaus und Klaus: „Die Nordseeküste auf Platt und in fetzig“

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Malde (links), Torbo (3. von links) und Jaykopp (4. von links) mit Klaus und Klaus und Kollegen.

„An de Noordseeküste“ ist das Bremer Feature des Jahres und die Korrektur eines uralten Fehlers. Wir haben De fofftig Penns im Interview und das neue Video. Begonnen als dumm Tüüch, hat sich das Plattdeutsch-Projekt längst verselbständigt. Nur konsequent, jetzt nach den Sternen zu greifen und mit den Grandseigneurs des norddeutschen Liedguts – Klaus und Klaus – zusammenzuarbeiten.

Endlich wächst zusammen, was zusammen gehört. Die Geschichte der Symbiose aus norddeutschem Schlager und Küstenplatt samt Elektro-Beats alias Dialektro alias Plattstepp ist schnell erzählt. 

Es ist 1985, damals, vor unendlicher langer Zeit, als Klaus und Klaus sich mit „An der Nordseeküste“ zu den Hütern des Ohrwurms aufschwingen und das Land zum Schunkeln bringen. Keiner kann mehr behaupten nicht zu wissen, wo die Fische sind – nämlich im Wasser und selten an Land, wie der Refrain lehrt. Zeitgleich werden in Bremen-Nord drei Jungs geboren, die irgendwann als De fofftig Penns für Bremen den siebten Platz beim Bundesvision Song Contest holen und mit „Löppt“ in die Charts einsteigen werden. 

Ganze 30 Jahre später fällt auf, dass bei dem hanseatischen Evergreen eine wichtige Zutat immer gefehlt hat: Plattdeutsch. Man verständigt sich also auf eine Zusammenarbeit, um diesen Fehler zu korrigieren und fertig ist der generationsübergreifende Neo-Shanty. Einige bezeichnen das, was sie da machen, als Fettes Brot für Arme, andere als Deichkind für Beine. Wir haben De fofftig Penns gefragt, was sie selbst dazu sagen und was es Neues bei den Jungs aus Bremen-Nord gibt.

nordbuzz: Zuletzt haben wir uns beim Hurricane gesprochen (hier der Erfahrungsbericht zur Scheeßel-Apokalypse), wo Euer Auftritt leider ins Wasser gefallen ist. Wird der Gig 2017 nachgeholt und was habt Ihr seitdem getrieben?

Jaykopp: Nach dem gemütlichen Backstage-Aufenthalt beim Hurricane haben wir uns erst mal trocken gerubbelt und unsere Synthesizer geföhnt. Wir hoffen auf eine zweite Chance 2017, dürfen uns aber noch nicht weiter dazu äußern.

„Urlaub, Urlaub, Urlaub von der Hurricane-Ausfallgage“

Malde: Seitdem das Übliche: Songwriting, Fitness und Urlaub, Urlaub, Urlaub von der Ausfallgage. Nun sind wir topfit für unsere traditionelle Wiehnachts-Töörnee nach Hamburg am 21.12., Leer am 22.12. und Bremen am 23.12.

nordbuzz: Nun habt Ihr mit „An de Noordseeküste“ eine neue Single am Start. Für manche ein alter Hut, für viele der norddeutsche Smash-Hit und Klassiker schlechthin. Wie kam es zu dieser Neuauflage und was war für die Frischzellenkur wichtig?

Torbo: Man kann durchaus sagen: Klaus und Klaus haben uns entdeckt.

Malde: Wir wurden bislang vielleicht geschätzt von Liebhabern und respektiert vom Feuilleton, liefen aber völlig unterm Radar der breiten Masse. Als Klaus Baumgart von der Existenz unseres künstlerischen Experiments Wind bekam, wollte er sofort eine alte Idee umsetzen: die Nordseeküste auf Platt und in fetzig.

Torbo: Wir waren sofort mit den üblichen Ingredienzien an Bord: 4/4 Takt, Elektro-Gebumse und vernuschelter Sprechgesang.

nordbuzz: Wie lief die Zusammenarbeit mit den Grandseigneurs Klaus und Klaus, was konntet Ihr voneinander lernen? Die Single kommt am 11.11., wollt Ihr die Jugend wieder verstärkt zum schunkeln bringen?

„Sowohl Klaus als auch Klaus sind, ohne Flachs, fantastische Typen“

Jaykopp: Es war eine große Freude! Sowohl Klaus als auch Klaus sind, ohne Flachs, fantastische Typen!

Torbo: Trotz des enormen Altersunterschieds waren wir sofort auf einer Wellenlänge. Wir machen ja erst seit einigen Jahren dumm Tüüch vor fremden Leuten, die beiden machen das seit den 80ern! Von daher strahlen die beiden Klause vor allem Lebens- und Bühnenerfahrung aus.

Malde: Vielleicht kann man sagen: Wir wollen die Jugend weniger zum Schunkeln bringen, als vielmehr das klassische Klaus-und-Klaus-Publikum zum Raven.

nordbuzz: Was kann man als nächstes von Euch erwarten? Ich habe da etwas vom Institut für Niederdeutsche Sprache im Bremer Schnoor gelesen?

Torbo: Ganz richtig, wir bereiten uns momentan intensivst auf die alljährlichen Weihnachtsshows vor. So früh konnte ich noch nie alle Texte auswendig! Die Konzerte finden übrigens in Hamburg am 21.12., am Leer am 22.12. und Bremen am 23.12 statt.

„Das Institut für Niederdeutsche Sprache leistet extrem wichtige Arbeit, vermutlich wichtiger als unsere“

Malde: Schön, dass du das Institut für Niederdeutsche Sprache ansprichst. Man kann wirklich nur mit dem Kopf schütteln, dass der Laden dichtgemacht werden soll. Bei sinnvollen Aktionen helfen wir sehr gern, wo wir können. Das INS leistet enorm wichtige Arbeit für die plattdeutsche Sprache. Vermutlich wichtiger als unsere. Und das sollten sie dringend die kommenden Jahre weiterhin machen dürfen.

Jaykopp: Ansonsten wie immer: Songwriting. Ich arbeite gerade an einer Ballade, das hatten wir noch nicht. Insgeheim hoffen wir auch darauf, dass sich jetzt Klaus Büchner von Torfrock mal wegen einem Feature meldet, das war früher der kleine Klaus von Klaus & Klaus. Oder halt Deichkind.

nordbuzz: Vielen Dank, wir sehen uns am 23.12. im Schlachthof!

Noch mehr Gespräche findet Ihr in unserer Interview-Rubrik.

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