Roger O'Donnell

Farbtupfer für die Seele

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Sprach der Rabe: bitte mehr! Roger O'Donnells neues Album „2 Ravens“ ist eine echte kammermusikalische Perle.

Ursprünglich sollten nur Cellos und andere Streicher zu hören sein, am Ende wurde es aber doch eine etwas buntere Angelegenheit: Roger O'Donnell (The Cure) veröffentlicht sein neues Soloalbum „2 Ravens“.

Sein Name wird wahrscheinlich nur eingefleischte Fans von The Cure aufhorchen lassen, denn Keyboarder Roger O'Donnell zieht es anders als etwa Sänger Robert Smith vor, im Hintergrund zu agieren. Seit über 30 Jahren ist er bei den britischen Goth-Legenden mit an Bord, auf ihrem Meisterwerk „Disintegration“ (1989) konnte O'Donnell erstmals sein Können unter Beweis stellen. Ab und an verließ er die Band wieder, um sich seinen Solo-Aktivitäten zu widmen, doch seit knapp zehn Jahren ist er wieder festes Mitglied. Auch, als 2019 das Bühnenjubiläum (40 Jahre) von The Cure gefeiert wurde, war er dabei.

Das bedeutet aber nicht das Aus für Roger O'Donnells zweite Leidenschaft, das Komponieren von klassischer Musik. Die entwickelte sich um 2004, als O'Donnell begann, mit Moog Synthesizern zu experimentieren. Der heute 64-Jährige beschäftigte sich ausgiebig mit der Generierung von komplexen Harmonien, die er als Gerüst um einzelne Noten arrangierte. Auf die Elektronik folgten Suiten für Piano und Cello sowie Stücke für kleine Orchester und Ensembles, deren Kontrapunkt partiell mit weiblichen Stimmen besetzt wurde.

All diese Erfahrungen kulminieren nun in Roger O'Donnells neuem Album „2 Ravens“, das ursprünglich nur mit Cellos und anderen Streichern instrumentiert werden sollte. Doch nach der Bekanntmachung mit der amerikanischen Dichterin und Sängerin Jennifer Pague (Vita And The Woolf) entwickelten sich Roger O'Donnells Ideen für das Album in ihrem Kopf weiter. Roger O'Donnell war so angetan von einer ersten Text- und Gesangs-Kostprobe, dass nun die Hälfte der acht Songs auf „2 Ravens“ mit stimmlicher Begleitung zu hören sind.

Eine kammermusikalische Perle

Das musikalische Gerüst entstand im Winter 2016 auf dem Lande, während O'Donnell sich vom Touren mit The Cure erholte. Entsprechend karg klingen die Streicher, Schwermut und Einsamkeit liegen hier immer in greifbarer Nähe. Durch Pagues Input und die Einbindung befreundeter Musiker wie Miriam Wakeling, Aled Jones und Daniel Degada entstand jedoch eine weitflächige Klang-Szenerie. Gemeinsam wurden Piano-Passagen integriert, Stimmen-Parts platziert und das Wechselspiel der Instrumente immer weiter verfeinert.

Schlussendlich ist aus „2 Ravens“ eine kammermusikalische Perle geworden. Längere Suiten, in der sich Streicher und Klavier zärtlich ins Duett begeben („The Hearts Fall“) wechseln sich ab mit nachdenklichen Momentaufnahmen des Lebens („December“). Wenn indes Jennifer Pague ins Spiel kommt, geht die Sonne auf. Ihr Gesang ergänzt die Musik mt kleinen Farbtupfern, die wie warme Regentropfen an den klassischen Kompositionen herabperlen. „An Old Train“, „The Haunt“ oder auch „I'll Say Goodnight“ sind Stücke, die tief ins Innere gehen und zum Reflektieren anregen.

Bei aller Ernsthaftigkeit und Schwere hält „2 Ravens“ stets auch flüchtige Momente des Aufbruchs und der Lebensfreude parat, sodass man sich gerne immer wieder aufs Neue in Roger O'Donnells Welt begeben möchte. Wunderschön!

teleschau

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