Sabaton

Der etwas andere Geschichtsunterricht

+
Geschmacklos oder genial? Sabaton widmen sich auf „The Great War“ dem Ersten Weltkrieg und konterkarieren die grausamen Ereignisse mit sehr unterhaltsamer Musik.

Düstere historische Ereignisse, betrachtet aus schwedischer Power-Metal-Perspektive: Sabaton widmen sich auf ihrem neuen Album „The Great War“ dem Ersten Weltkrieg.

„Danke, Manowar“, dürften sich Sabaton im Nachhinein gedacht haben. Denn was auf dem diesjährigen Hellfest passierte, bescherte den Schweden - zeitlich passend zur anstehenden Veröffentlichung von „The Great War“ - einen ordentlichen Imageschub. Der Hintergrund: Der Headliner-Auftritt von Manowar, den selbsternannten Heavy-Metal-Königen um Joey DeMaio, wurde aufgrund eines Streits mit dem Veranstalter kurzfristig abgesagt. Sabaton sprangen ein und kamen so zu einem zweiten gefeierten Auftritt. Dass Joakim Brodén seine Stimme verloren hatte, tat der Stimmung keinen Abbruch. Es kursieren gar Videos, in denen es sich der Sänger an einem Tisch auf der Bühne bei Speis und Trank gemütlich macht und das Spektakel betrachtet. Cooler geht es kaum.

Allerdings führen solche Aktionen nicht dazu, dass die Kritiker verstummen, und auch „The Great War“ wird nicht nur erfreute Reaktionen hervorrufen. An ihrem inhaltlichen Konzept halten Sabaton weiter fest: Ein eigens ins Leben gerufener „History Channel“ bei YouTube sowie die Möglichkeit des Erwerbs einer „History Version“ des Albums heben den geschichtlichen Aspekt weiter in den Vordergrund. Es geht diesmal ausschließlich um den Ersten Weltkrieg. Ein ernstes, düsteres Thema also, das Sabaton jedoch mit gefälliger, eingängiger und harmonisch friedvoller Power-Metal-Musik konterkarieren. Nein, die Schweden denken gar nicht daran, die oft an den Pranger gestellte Spannung zwischen ihrer Musik und den behandelten Themen aufzulösen.

Fans und Feinde

Warum auch? Der stetig zunehmende Erfolg gibt ihnen dazu keinen Anlass, und die Songs funktionieren auch diesmal wieder großartig für die breite Masse. Der etwas störrische, aber spannend aufgebaute Opener „The Future Of Warfare“ setzt gleich zu Beginn ein Ausrufezeichen, und auch das bereits veröffentlichte Stück „The Red Baron“, das nicht nur mit seiner Hammondorgel an die Classic-Rocker von Uriah Heep erinnert, sticht heraus. Mit „The End Of The War To End All Wars“ wird die epische Keule herausgeholt, und hinter der letzten Nummer „In Flanders Fields“ verbirgt sich eine knapp zweiminütige Chor-Vertonung des gleichnamigen Gedichts von Lieutenant Colonel John McCrae.

Man geht insgesamt etwas gitarrenbetonter und erdiger zu Werke als auf den letzten Alben, ansonsten gibt es aber keine grundlegenden Veränderungen. „The Great War“ liefert Fans und Feinden gleichermaßen ihre Munition. Dass Sabaton mit den Aufnahmen zu dem Album genau einhundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs angefangen haben, ist eine Randnotiz. Dass sie seit inzwischen 20 Jahren erfolgreich die Heavy-Metal-Welt unsicher machen, beeindruckt ungleich mehr. Zur Feier präsentieren die Schweden auf dem prestigeträchtigen Wacken Open Air eine spezielle Headliner-Show, bevor Sabaton dann Anfang 2020 auf Hallentournee gehen, um ihren Ruf als eine der besten Livebands des Genres zu verteidigen.

Sabaton auf Tour:

01.08. Wacken, Wacken Open Air

23.08. Sulingen, Reload Festival

17.01. Zürich, Hallenstadion (CH)

18.01. Stuttgart, Schleyerhalle

19.01. München, Olympiahalle

25.01. Berlin, Max-Schmeling-Halle

31.01. Frankfurt, Festhalle

01.02. Oberhausen, König-Pilsener-Arena

11.02. Hamburg, Sporthalle

teleschau

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare