Weezer: Weezer / The White Album

Die erträgliche Leichtigkeit des Seins

Weezer - Weezer / The White Album

White Album? Das gab's doch schon mal. Ach ja, bei den Beatles. Bei den Alternative Rockern Weezer haben Farbenspiele Tradition.

Kein Aprilscherz: Weezer sind zurück und das neue Album erscheint ausgerechnet am 1. April. Gescherzt wird dennoch. In der mittlerweile beachtlich langen Bandgeschichte hat sich ein Running Gag etabliert, der 1994 mit dem ersten Album begann. Da dieses, wie die Band, einfach nur Weezer betitelt war, wurde es aufgrund der Farbe des Covers als "The Blue Album" bekannt. Von den neun Alben bis 2014 waren zwei weitere nur mit "Weezer" betitelt - und gingen entsprechend ihrer Hauptfarbe als "The Green Album" und "The Red Album" in die College-Rock-Geschichte ein. Nun also: "The White Album".

Wer dabei an das gleichnamige Beatles-Werk denkt, liegt nicht komplett verkehrt. Mit den Pop-Pionieren haben Weezer eine große Gemeinsamkeit: das Talent für Ohrwürmer, denen man sich nicht entziehen kann. Egal wie sehr diese von verzerrten Gitarren penetriert werden, gehen die eingängigen Melodien nie im Lärm unter. Dieser rote Faden zieht sich von ersten Hits wie "Buddy Holly" (1994) über "Beverly Hills" (2005) bis zum neuen Album durch.

Das Konzept von Weezer hat Sänger, Gitarrist und Komponist Rivers Cuomo einmal als einen Versuch beschrieben, die Vorliebe für Heavy Metal mit seiner Begeisterung für die Beach Boys zu verbinden. Tatsächlich klingen Songs wie "(Girl We Got A) Good Thing" so, als hätte ein verrückter Wissenschaftler ein musikalisches Frankenstein-Monster geschaffen aus Teilen von Surf Music, Grunge, Punk und Stadion-Rock. Zu all dem oszilliert Rivers Cuomos Stimme zwischen typischem Indie-Timbre und markantem Falsett.

Das Gesamtergebnis ist eine zehn Tracks umfassende Sammlung von hymnischen Ohrwürmern, die dank wildem E-Gitarren-Geschrammel und einer Patina aus Melancholie und Unvorhersehbarkeit zu jedem Zeitpunkt deutlich macht: Das weiße Album mag vordergründig an spaßigen Pop-Punk erinnern, auch wenn alle Tracks sich bestens als Party-Mucke eignen. Dahinter steckt mehr. In diesem Punkt erinnern Weezer an ihre eigenen alten Helden: Auch die Beach Boys sind vor allem als Gute-Laune-Sunnyboys bekannt, während die Raffinesse ihrer Kompositionen lange verkannt wurde.

Und wo wir gerade vom Strand sprechen: Weezer umschreiben ihr neues Werk als "L.A. Beach Album". Besangen die Beach Boys noch die "California Girls", widmen sich Weezer den "California Kids" von heute. Als Inspirationsquellen für das zehnte Werk nennt Cuomo, mit Leuten in Venice und Santa Monica abzuhängen und andere Bands aus der Gegend zu hören. Außerdem versuchte er sich als Casanova in der Dating-App "Tinder" - allein des kreativen Inputs wegen, versteht sich.

Die in die Jahre gekommenen Dauerjugendlichen klingen dabei immer authentisch. Das liegt natürlich nicht zuletzt daran, dass ihre Kompositionen noch immer nach dem gleichen Muster gestrickt sind wie bei der Bandgründung 1992. Weezer covern Weezer. Doch warum etwas Neues versuchen, wenn man einmal seine Lieblingswelle gefunden hat? Positiv ausgedrückt: Weezer haben zu der alten Form zurückgefunden, die sie nie verloren hatten.

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