Ein Streber bleibt sitzen

Zehntes Album von Eko Fresh: So hört sich „König von Deutschland“ an

Eko Fresh - König von Deutschland

Mit „König von Deutschland“ hat Eko Fresh sich selbst vom Thron gestürzt.

Eko Fresh bekommt glücklicherweise schon lange kein Hartz IV mehr, auch wenn das früher auf seinen Songs noch oft ein Thema war. Damals war er noch ein Protegé von Kool Savas. Später nahm ihn Bushido unter Vertrag, noch später ist das alles gar nicht mehr so wichtig. Denn mittlerweile spielt Eko Fresh in Filmen und Serien mit und ist nebenbei noch immer ein ziemlich guter Rapper. Das will er seit Jahren jedem unter die Nase reiben, so auch auf seinem zehnten Album „König von Deutschland“. Der Streber ist zurück!

Streber haben ein Problem: Sie sind unbeliebt. Denn sie knallen ihren Kopf mit Informationen voll, sitzen am Schreibtisch und wollen es allen beweisen, während das Leben vorbeizieht. Und trotz des ganzen Lernens lässt das Ergebnis manchmal zu wünschen übrig. Heißt: Wer Trends bis zum Erbrechen auswendig lernt, der ist nicht automatisch der „König von Deutschland“.

Eko Fresh, der bei einem schweren Quad-Unfall während eines Videodrehs unlängst viel Glück im Unglück hatte, scheint sich allerdings das genau so vorgestellt zu haben. Er vermischt auf seinem Album quasi sämtliche Deutschrap-Auswüchse der letzten Jahre, will mal böse, mal lustig, mal tiefsinnig sein, und ihm gelingt nichts davon. Denn seine unzähligen Gäste überstrahlen ihn. Das Paten-Image mimt Bushido besser, die 257ers haben den Klamauk eher gefressen, die Straße skizzieren Hasan K und Gringo authentischer, und Kollegah stilisiert sich auf spannendere weise als König. Eko Fresh bleibt auf seinem Album oft nur Beiwerk.

Ein Konzept gibt erst gar nicht. Billige Piano-Klimper-Beats finden sich neben Rockriffs und ausgelutschten Synth-Sounds. Es scheint so, als würde die Musik aus gesammelten Konservendosen der letzten zehn Jahre kommen. Diese Büchsen wurden dann übereinander getürmt und mit einem Ball abgeworfen, um so die Reihenfolge der Songs per Zufallsprinzip zu ermitteln.

Denn die Konzeptlosigkeit nimmt irgendwann groteske Züge an. Wenige Momente, nachdem auf dem gesellschaftskritischen Tränendrüsen-Track „Life Goes On“ ein Kind vergewaltigt und eine Leiche an den Strand gespült wird, heißt es „Dreh die Mucke bis zum Anschlag“ und „Heb das Glas und ex' es weg“. Culcha Candela johlen auch mit. Was soll uns das sagen? Hedonismus gegen Leid? Vermutlich wurde auch hier einfach nicht zu Ende gedacht.

Die gute Nachricht (für ihn) ist: Eko Fresh hat mit „König von Deutschland“ wirklich wieder bewiesen, wie gut er rappen kann. Das hilft aber nichts, denn er hat das Album mit überhöhter Geschwindigkeit gegen die Wand gesetzt - Totalschaden. Trotz der Strebsamkeit wird in seinem Zeugnis nur stehen: Eko Fresh war stets bemüht.

teleschau

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