Die Happy

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Manche ändern sich nie, und das ist vielleicht auch gut so: Die Happy, die Band um Marta Jandová (Mitte), zelebriert auch auf dem neuen Album „Guess What“ den Poprock-Charme der späten 90-er.
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Manche ändern sich nie, und das ist vielleicht auch gut so: Die Happy, die Band um Marta Jandová (Mitte), zelebriert auch auf dem neuen Album „Guess What“ den Poprock-Charme der späten 90-er.

Die Happy, die Band um Sängerin Marta Jandová, hat das neue Album „Guess What“ wie auch schon ihr letztes Werk über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert. Musikalisch bleibt die Gruppe derweil bei ihrem bewährten Popcore-Sound.

Sechs Jahre Abstinenz gab es zuletzt, mit Babypause und zahlreichen Nebenprojekten, doch nun sind Die Happy wieder zurück - so gut das im Moment eben geht. Es gibt ein neues Album; die Konzertdaten wurden vorsorglich schon ans Ende des Jahres 2020 verlegt, und das aktuelle Video zur Single „Here I Am“ wurde in Eigenproduktion im „stay-home“-Modus in den Wohnzimmern und Fluren der vier Bandmitglieder gedreht.

Die Happy können nicht nur auf einen unermüdlichen Optimismus zurückgreifen, sondern sich auch auf eine treue Fanbase verlassen, die sie beim letzten Album „Everlove“ (2014) mittels Crowdfunding unterstützte und sie in den letzten 25 Jahren auf mehr als 1.200 Konzerten abfeierte. Nette Geste: Bei dem neuen Album „Guess What“, wieder von den Fans mitfinanziert, dürfen die Crowdfunder sich mit ihrem Namen im Booklet verewigen lassen.

Die Kuscheligkeit der späten 90er-Jahre

Obwohl Die Happy bei der Finanzierung ihrer Musik und auch bei der Nutzung moderner Kommunikationskanäle wie Instagram voll mit der Zeit gehen, berufen sie sich klanglich nach wie vor auf ihren bewährten Poprock-Sound mit gelegentlichen Hardcore- und Numetal-Anleihen. Bombastisch hereinbrechende Rocknummern wie „Kiss Me“ entfachen genauso zuverlässig die Erinnerung an früher wie langsamere Rockballaden („Love Suicide“), die zum melancholischen Chillen auf der Couch einladen. Die Single „Here I Am“ findet den Weg in eine Ohrwurm-Schleife, klingt jedoch auch ein wenig nach Poprock-Hit-Reißbrett: ein hartes Gitarrenbrett, ein innehaltender Mitsing-Chorus, dazu ein paar melodiöse Gitarrensolo-Linien im hinteren Teil des Songs - fertig.

Damit gewinnt man keine Innovationspreise, aber darauf war die Band aus Ulm eigentlich auch nie aus. Wichtiger ist wohl: Man spürt bei dieser Musik noch immer die rockig-perfektionistische Kuscheligkeit der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre, Arm in Arm mit Bands wie Guano Apes, H-Blockx, 4Lyn oder Emil Bulls, die auch heute noch ihren Charme hat. Wer nicht länger darum bangen will, ob sein Lieblings-Rockfestival dieses Jahr denn nun stattfindet oder nicht, kann zu diesem Album die Camping-Atmo perfekt auf dem Balkon oder der Terrasse nachstellen.

teleschau

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