Prince und die Neuauflage von „Sign O' The Times“

Ein Manifest der 80-er

Viele halten ihn für das letzte große Universalgenie des Pop: Prince.
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Viele halten ihn für das letzte große Universalgenie des Pop: Prince.

Mit der umfangreichen „Super Deluxe Version“ von „Sign O' The Times“ aus dem Jahr 1987 wird eines der spannendsten Prince-Alben wiederveröffentlicht. Auf dem Zenit seines Schaffens produzierte das große Pop-Universalgenie fast beiläufig auch das Vermächtnis der 80-er.

Prince ist 1985 in einer Phase der Umorientierung, als „Sign O' The Times“ entsteht. Mit den Alben „1999“ (1982) und „Purple Rain“ (1984) längst zum Weltstar aufgestiegen, sucht der damalige Endzwanziger nach einem künstlerischen Definitionsmoment und dem unbedingten Willen, weiter kreative Impulse zu setzen. Über gut zwei Jahre arbeiten er und seine Toningenieurin Susan Rogers andauernd im langsam entstehenden Paisley-Park-Studio im heimatlichen Minneapolis und produzieren dafür Hunderte von Songs. Mehrere Alben entstehen in dieser Zeit, unter anderem „Dream Factory“, die dreifach-LP „Crystall Ball“ und das Jazz-Projekt The Flesh, an dem zum Beispiel auch Trompeter-Legende Miles Davis beteiligt ist. Auch die letzten Aufnahmen mit The Revolution, seiner Begleitband seit 1982, entstehen hier. Ein Großteil dieser Musik, auch der Song mit Miles Davis, wird aber nie veröffentlicht, sondern landet in Prince' legendärem Archiv The Vault. Die nun erscheinende Neuauflage gibt viele dieser Songs erstmals für die Weltöffentlichkeit frei.

„Sign O' The Times“ gehört zu den beliebtesten Prince-Alben. Das liegt daran, dass es keiner Mission folgt, sondern lediglich die damaligen technischen Möglichkeiten auslotet. Aber auch daran, dass Prince hier unbewusst eine Ära beendet. Der Beat-getriebene Synthesizer-Funk zwischen Drumcomputer- und Fairlight-Arrangements, die süßliche Pop-Affinität und die Geschlechter-Rollen-tauschende Erotikpoesie verschmolzen hier zum Opus Magnum. Was die Prince Estate, Prince' eigene Nachlassverwaltung, mit vorliegenden „(Super) Deluxe-Versionen“ mit gut vier Stunden Zusatzmaterial auf bis zu 13 LPs aber eigentlich aufbereitet hat, ist kein Zeugnis einer kreativen Neuausrichtung. Es ist ein Manifest für den Sound der 80-er, der auf „Sign O' The Times“ noch einmal pompös aufleuchtete, bevor wenig später der HipHop zu weltweiter Dominanz aufstieg.

Aus einer Zeit vor Streaming und Playlists

Bei allem Vorwurf der Abzocke (die aufwendigste Konfiguration steht bei 300 Euro UVP) lässt sich der Entstehungsprozess von Prince' neuntem Studioalbum dank chronologischer Reihenfolge der Songs auf den Bonus-Discs wunderbar schichtweise nachvollziehen. Nicht nur Fans, auch Nachgeborene erhalten so ein Verständnis für das Denken im verträumten Jahrzehnt.

Wenn „Play In The Sunshine“ sich vor dem Rock'n'Roll Little Richards verneigt, „The Ballad Of Dorothy Parker“ den Sound des 90er-R'n'B vorwegnimmt und „I Could Never Take The Place Of Your Man“ den Stadionrock der damaligen Zeit aufgreift, dann offenbaren diese und die vielen anderen verworfenen Lieder im hinteren Teil des Sets fast minutiös, wie Pop-Musik in einer Zeit gemacht und gehört wurde, als Streaming und Playlists noch nach Science-Fiction geklungen hätten. Dieses Set ist nicht nur die erweiterte Version eines großartigen Albums, sondern eine umfassende Studie über das Denken und Fühlen eines der größten Universalgenies des Pop.

teleschau

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