Wanda

In der Eckkneipe geborgen

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2012 in Wien gegründet, sind Wanda inzwischen echte Stars - nicht nur ihn ihrer Heimat Österreich.

Auf dem vierten Album „Ciao!“ balanciert die umjubelte Ösi-Rock-Band Wanda experimentierfreudiger denn je zwischen Kneipenrock und Vokuhila-Romantik. Das ist kitschig, nicht mehr ganz so neu, aber effizient.

Ein bisschen liebhaben kann man Wanda ja schon. Als „Retter des Rock'n'Roll“ wurden sie hochgejazzt, als sie 2014 mit dem Debüt „Amore“ zwischen versoffenen Lederjacken-Habitus und Kneipenrock-Gitarren vom „Amore machen“ sangen und damit den deutschsprachigen Raum für einen Sommer lang von „Bolonga“ träumen ließen. Aus dem neuen und alten Wien, dem Gebrochenen im Mann und der Männlichkeit und bergeweise Kitsch knüpften die fünf Österreicher auf zwei Alben verlässlich lupenreine, nun ja, Gassenhauer. Erst auf der dritten LP „Niente“ 2017 löste sich Wanda allmählich vom Biertisch-Schlager im Bluesrock-Pelz. Doch das Schwermütige, das Überschwängliche, das Betrunkene haben Wanda nie aufgegeben. Ihre Musik wollte und will die großen Gefühle, auch wenn sie vielleicht nur Illusionen sind.

So bleiben Wanda auf dem vierten Album „Ciao!“ weiterhin eine Sehnsuchtsband. Auch wenn er die Leder- mittlerweile gegen eine Jeansjacke getauscht hat, ist das Wiener Timbre von Sänger und Texter Marco „Wanda“ Fitzthum immer noch charmant, schnodderig und verführerisch. Deswegen kann er sich so lächerliche Zeilen wie „Manchmal tut's so weh, weh/ Ciao, ciao, baby“ erlauben, ohne von der Pop-Journaille in der Luft zerrissen zu werden. „Lilli, der Komet macht einen Handstand/ Auf einer tätowierten Hand für zwanzig Cent im Zelt neben an“, krakeelt er auf „Swing Shit Slide Show“. Seine benommenen Dada-Lyrics beziehen ihren Zauber nicht aus dem Gesagten, sondern aus dem Mit-Gedachten. Und der fiesen Mitgröhl-Magie aller Refrains, die schon Poesieperlen wie „Eins, Zwei, Drei, Vier, es ist so schön bei dir“ hervorgebracht haben.

Weltbürger im Wohnzimmer

Obwohl Wanda mit ihrem Handwerker-Rock wieder zu keinem Zeitpunkt musikalische Grenzen umwerfen und sich weiterhin dem Zeitgeist verweigern, ist „Ciao!“ merklich experimentierfreudiger als seine Vorgänger. Zu den rauen Rock-Riffs ihrer Anfangstage paaren Wanda jetzt auch beschwingtes Keyboard-Spiel und diverse Breaks oder Stimmeneffekte. Die Beatmusik der Sechziger, der Deutschrock der Achtziger, der Funk-Rock der Neunziger - Wanda verbinden die melodische Eingängigkeit der Beatles, die hibbelige Leichtfüßigkeit der Chili Peppers mit der verträumten Vokuhila-Romantik der späten NDW. Psychedelic Schlager könnte man das nennen. Die Faszination der Band ist, betont uncoole Wohnzimmer-Heimeligkeit auf Weltbürger-Niveau zu zelebrieren. Das ist nicht mehr so neu wie bei „Bologna“, doch hat sich nach drei Alben so sehr selbst behauptet, dass sogar der Vorwurf, ihre Vorabsingle „Ciao, Baby“ erinnere an Heinz Rudolf Kunze, im Zusammenhang mit „Ciao!“ wie ein Kompliment klingt.

Es ist ein (selbst-)ironischer Wink, dass Wanda hier ausgerechnet mit „Gerda Rogers“ der gleichnamigen Star-Astrologin des Ösi-Radios ein Lied gewidmet haben. Denn ähnlich wie Horoskope funktioniert auch „Ciao!“ - als Fata Morgana eines Versprechens. Nur eben nicht in den Sternen, sondern gehüllt in die Geborgenheit einer Eckkneipe um 3 Uhr morgens. Genau da, wo man sich ein bisschen lieb haben kann.

teleschau

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